
Wärmster Winkel Ungarns
Klima
Die Einheimischen nennen die Gegend um Villány Ördögkatlan, den Teufelskessel, und im August versteht man sofort, warum. Die Villányer Hügel und ihr höchster Punkt, der Szársomlyó, liegen quer zur Windrichtung und blockieren kalte Luft aus dem Norden. Von Süden schiebt sich gleichzeitig ein Hauch Mittelmeerklima herein. Das Ergebnis ist die wärmste Weinregion westlich der Donau.
Mehr als zweitausendeinhundert Sonnenstunden im Jahr treffen hier auf die Reben, mehr als irgendwo sonst in Ungarn. Während der Vegetationsperiode addiert sich die Wärme auf zweitausend bis zweitausendzweihundert Gradtage, eine Summe, die spät reifende Bordeaux-Sorten wie Cabernet Sauvignon überhaupt erst möglich macht. Anderswo im Land bleiben genau diese Sorten oft grün und krautig, weil ihnen ein paar hundert Gradtage fehlen.
Am wärmsten von allen ist die Lage Kopár. Der Weinberg liegt so tief, dass ihn früher als andere der Frost traf. Genau diese Tieflage macht ihn heute zur heißesten Parzelle des Landes, und Winzer ernten dort regelmäßig vor allen anderen Villányer Lagen. Weiter oben am Hang, in dreihundert Metern Höhe, kühlt die Nacht dagegen spürbar ab, und die Trauben behalten mehr Säure.
Wie mild dieses Mikroklima wirklich ist, zeigt eine unscheinbar aussehende Blume. Auf dem Südhang des Szársomlyó wächst der ungarische Kikerics, Colchicum hungaricum, eine krokusähnliche Pflanze, die sonst nirgendwo im Land vorkommt und manchmal schon im Januar blüht, mitten im ungarischen Winter.
Wasser ist selten der Engpass. Zwischen sechshundertfünfzig und neunhundert Millimeter Regen fallen im Jahr, ungleich verteilt und oft als kurzer, heftiger Sommerguss. Hagel dagegen ist die eigentliche Gefahr. Ein einziger Schauer im Juli kann eine ganze Ernte zerschlagen, und deshalb spannen mittlerweile mehrere Güter Hagelnetze über ihre besten Parzellen.