
Kékoportó & Franc
Rebsorten
Die ersten Reben, die hier flächendeckend Erfolg hatten, kamen nicht aus Frankreich. Die deutschen Stifolder brachten im achtzehnten Jahrhundert den Kékoportó mit, auf Deutsch Blauer Portugieser, eine robuste blaue Sorte mit dünner Schale und wenig Tannin. Sie reift früh und verzeiht Regen kurz vor der Lese. Bis heute steht sie auf rund dreihundertdreißig Hektar, mehr als jede andere rote Sorte in Villány, und die junge Winzergeneration mischt sie inzwischen mit Kékfrankos zu einem unkomplizierten Cuvée namens RedY.
Alles änderte sich in den neunziger Jahren. Mehrere Güter begannen, mit Bordeaux-Reben zu experimentieren. Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc wuchsen nebeneinander, aber nur einer von ihnen fühlte sich in der Hitze und auf dem kalkigen Boden wirklich zu Hause. Cabernet Franc zeigt hier ein dichtes Rubinrot, mittleres Tannin und eine Frucht nach Sauerkirsche und schwarzer Johannisbeere. Dazu kommt ein würziger Ton, der bei voller Reife eher an getrocknete Kräuter erinnert als an unreifes Gemüse. Die Sorte wuchs so schnell in der Gunst der Winzer, dass sie heute mehr als fünfzehn Prozent der gesamten Rebfläche einnimmt.
Cabernet Sauvignon und Merlot blieben trotzdem im Spiel, nur in einer anderen Rolle. Sie liefern Fülle und weiche Tannine für Verschnitte. Cabernet Franc allein steht für den Namen, der Villány berühmt gemacht hat: Villányi Franc. Ein Premium-Villányi-Franc darf bis zu fünfzehn Prozent andere Sorten enthalten. Ein Szuperprémium dagegen nicht einen einzigen Tropfen. Er muss zu hundert Prozent aus Cabernet Franc bestehen, mindestens zwei Jahre reifen und darf frühestens im dritten Jahr nach der Lese in den Verkauf.
Eine vierte Sorte erzählt von einer älteren, härteren Zeit. Kadarka kam mit serbischen Familien ins Land, die 1715 vor osmanischen Truppen nach Villány flohen und die Sorte aus dem Süden mitbrachten. Sie ergab einst hellen, würzigen Rotwein und stand jahrhundertelang auf den meisten Parzellen der Region. Heute ist sie fast verschwunden, verdrängt von den kräftigeren Bordeaux-Sorten, doch das ungarische Weingesetz erlaubt sie in Villány bis heute. Ein paar Winzer pflanzen sie wieder, aus Respekt vor der eigenen Geschichte.