Region & Geschichte in der Region Canelones

Einwanderer & Tannat

Region & Geschichte

Nördlich von Montevideo hügelt das Land sacht, kaum eine Autostunde von der Hauptstadt entfernt. Genau hier liegt der älteste Weinbaudistrikt Uruguays. Seine Geschichte beginnt nicht mit einer einzelnen Heldenfigur. Ab den 1870er-Jahren kamen italienische, spanische und baskische Einwanderer in Scharen. Sie brachten Setzlinge im Gepäck mit und pflanzten sie, weil ihnen der Wein aus der alten Heimat fehlte.

Am 25. Februar 1883 schnitt Francisco Vidiella im heutigen Montevideo-Stadtteil Colón die erste dokumentierte Ernte des Landes. Sein Weinberg war klein, sechsunddreißig Hektar, bepflanzt mit einer französischen Sorte, die er als Peñarol-Traube auspflanzte. Später trug sie seinen eigenen Namen: Vidiella, eigentlich Folle Noire. Weiter im Norden experimentierte zur selben Zeit ein baskischer Einwanderer namens Pascual Harriague mit einer anderen Sorte aus Südfrankreich: Tannat. Beide kannten sich nicht. Doch zusammen legten sie das Fundament, auf dem später ganz Canelones aufbaute.

Um die Jahrhundertwende füllte sich das Land mit Familienbetrieben. Establecimiento Juanicó geht als Gut bis 1830 zurück und keltert seit den 1830er-Jahren Wein, Pizzorno kam 1910 dazu, Castillo Viejo 1927, Varela Zarranz 1933 und De Lucca 1945. Meist standen italienische und spanische Nachnamen auf den Etiketten, meist kleine Parzellen rund um Orte wie Juanicó, Las Piedras und Toledo.

1979 kaufte die Familie Deicas das Weingut Juanicó. Wenig später bemerkten sie etwas: Der tonige Boden erinnerte an Teile von Bordeaux. Statt Fassware in großen Mengen zu verkaufen, konzentrierten sie sich auf Tannat in kleiner Auflage. Sie kelterten ihn nach handwerklichen Methoden aus Bordeaux und lösten damit einen Umbruch in ganz Canelones aus, der bis heute anhält.

1987 entstand das Instituto Nacional de Vitivinicultura, kurz INAVI, als staatlich getragene, aber unabhängig geführte Aufsicht über den ganzen Sektor. Sechs Jahre danach schuf ein Dekret die Stufe Vino de Calidad Preferente und ordnete damit erstmals verbindlich, was in Uruguay als Qualitätswein gelten durfte. Canelones trägt heute rund sechzig Prozent der uruguayischen Rebfläche und mehr Tannat als an jedem anderen Ort der Erde – mehr sogar als in Madiran, wo die Sorte ursprünglich herkommt.

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