
Tannat vor allem
Rebsorten
Eine Sorte beherrscht jeden Weinberg in Canelones: Tannat. Ihr Name kommt vom französischen Wort für Tannin, und das ist Programm. Sie hat dickere Schalen als fast jede andere Rebsorte, mehr Kerne, mehr Farbstoff. Dazu kommt jener pelzige Gerbstoff, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt.
Im Glas wirkt sie fast schwarz. Ein violetter Schimmer liegt am Rand, der erst nach Jahren ins Ziegelrote wechselt. Uruguayischer Tannat schmeckt dabei anders als sein französisches Vorbild aus Madiran: fruchtiger, zugänglicher, mit Aromen von Brombeere, dunkler Pflaume und schwarzem Pfeffer statt der erdigen Härte der Ursprungsregion. Der Grund liegt im Klima Canelones' und in einer Technik, die eigentlich aus Madiran selbst stammt.
Daneben stehen internationale Partner, die den Tannat abrunden oder eigenständig auftreten. Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc bringen weichere Tannine und dunkle Beerenfrucht. Bei den Weißweinen wachsen vor allem Chardonnay, Sauvignon Blanc und Viognier. Letzterer duftet nach Aprikose und hält der feuchten Meeresluft vom Río de la Plata erstaunlich gut stand.
Fast vergessen wäre eine dritte, ältere Sorte: die Folle Noire, die Vidiella einst als Peñarol-Traube auspflanzte. Über ein Jahrhundert verschwand sie fast vollständig aus den Weinbergen. Erst zwei Önologen, Juan Pablo Fitipaldo und Gonzalo Pastorino, spürten in Colonia Valdense noch keine fünfhundert Stöcke auf, gepflanzt 1984 in sechs niedrigen Reihen, und keltern seither wieder einen hellen, aromatischen Rotwein daraus, der eher an einen Pinot Noir aus Burgund erinnert als an Tannat. Zwei Traditionen, ein Landstrich.