
Chivito, Asado, Fisch
Wein & Essen
Zwei Gerichte erklären mehr über Maldonados Weine als jede Verkostungsnotiz. Das eine ist der Chivito, Uruguays inoffizielles Nationalgericht: ein überladenes Sandwich mit dünn geschnittenem Rind, Schinken, Speck, Ei, Käse und Oliven. Das andere ist der Asado, das offene Feuer, an dem Rindfleisch und Würste stundenlang garen.
Zum Chivito passt ein leichterer Tannat besser als ein wuchtiger. Fett vom Speck und geschmolzener Käse machen kräftiges Tannin ohnehin weicher, ein zu schwerer Wein würde das Sandwich dagegen erschlagen. Junge Tannat-Jahrgänge, kaum ein Jahr im Fass, treffen hier den richtigen Ton.
Beim Asado gilt das Gegenteil. Uruguay isst mehr Rind pro Kopf als fast jedes andere Land der Erde. Gleichzeitig baut es mehr Tannat an als jedes andere Weinland überhaupt – eine Kombination, die kein Zufall ist. Rauchiges, fettes Fleisch vom Grill braucht Tannin und Säure in voller Stärke, sonst wirkt der Wein neben der Glut dünn und machtlos.
An der Küste, in José Ignacio oder Piriápolis, dreht sich alles um frischen Fisch und Meeresfrüchte, oft nur gegrillt und mit Zitrone serviert. Genau dort spielt Albariño seine Stärke aus: Seine salzige Mineralität wirkt neben Fisch aus demselben Meer fast wie eine Fortsetzung des Tellers, nicht wie ein Zusatz dazu.
So bleibt am Ende ein einfaches Bild von Maldonado. Landeinwärts, am Grill, regiert der schwere rote Wein aus Granitboden. An der Küste, zum Fisch, gehört das Glas Albariño mit Blick aufs Wasser, aus dem das Essen gerade kam.