
Tannat trifft Albariño
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Halte ein Glas Tannat aus Maldonado gegen etwas Weißes, und du siehst fast nichts hindurch. Selbst am Rand bleibt die Farbe dunkel, fast schwarzviolett, auch bei einem jungen Jahrgang. Das liegt an der dicken Schale und den fünf Kernen der Beere, die zusammen für ungewöhnlich viel Farbpigment und Tannin sorgen.
In der Nase kommen zuerst dunkle Beeren, Brombeere vor allem, dazu Pflaume und manchmal ein Hauch grüner Pfeffer. Wurde der Wein mikrooxygeniert, tritt die Brombeernote noch klarer hervor, weicher und reifer als bei einem hart vergorenen Tannat alter Schule.
Im Mund merkst du das sofort. Woher der Ruf kommt, wird schnell klar, denn das Tannin legt sich als trockener, fast körniger Belag über Zahnfleisch und Zunge, während die Säure seitlich gleichzeitig für Frische sorgt und den Wein trotz allem lebendig hält. Beides zusammen hält den Wein jahrelang. Auch wenn er jung fast zu kantig wirkt, um ihn allein zu trinken.
Albariño aus Maldonado zeigt das Gegenbild. Die Farbe ist blassgelb mit einem grünlichen Schimmer. In der Nase kommen Pfirsich, Zitrus und weiße Blüten, dazu eine feine, fast salzige Mineralität, die man in Weinen aus dem Landesinneren so kaum findet.
Am Gaumen wirkt er trotz der spürbaren Säure fast ölig, cremig fast. Das ist ein Kontrast, den viele bei einem so frischen Wein nicht erwarten. Der Abgang bleibt lang, mit einer salzigen Note, die an den nahen Atlantik erinnert. Rot und Weiß aus Maldonado sind sich damit so unähnlich wie zwei Weine aus demselben Departement nur sein können.