
Pinot & Zinfandel
Rebsorten
Kaum eine Rebsorte hat den Ruf der Central Coast so verändert wie Pinot Noir. Sie braucht kühle Nächte und lange, milde Tage, und genau das liefern die Bänke der Santa Lucia Highlands über dem Salinas-Tal und die windoffenen Hügel der Sta. Rita Hills weiter südlich. Ihre Schale ist dünn: wenig Farbstoff, wenig Tannin — der raue, trockene Griff, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt. Dafür bleibt ein Duft, der jede Nebelbank im Glas spürbar macht.
2004 kam ein Kinofilm dazu und beschleunigte, was längst begonnen hatte. In „Sideways", gedreht im benachbarten Santa Ynez Valley, schwärmt eine Figur von Pinot Noir und lästert über Merlot. Innerhalb weniger Monate sanken die Merlot-Verkäufe im Westen der USA um rund zwei Prozent, während Pinot Noir um etwa sechzehn Prozent zulegte. Winzer der Central Coast rissen Merlot-Parzellen heraus und pflanzten neu.
Ganz anders tickt die zweite große Familie: die Rhône-Sorten. Grenache, Syrah, Mourvèdre und die weiße Roussanne kamen erst in den Neunzigern in nennenswerter Menge an. Viele Stecklinge stammten vom Weingut Tablas Creek, das seine Reben direkt vom südfranzösischen Château de Beaucastel importierte. Aus Grenache, Syrah und Mourvèdre entsteht die sogenannte GSM-Cuvée, benannt nach den Anfangsbuchstaben der drei Sorten. Sie schmeckt kräftig und würzig, zugeschnitten auf warme, steinige Hänge.
Am ältesten von allen ist Zinfandel. Am York Mountain stehen noch Stöcke, die auf die Pflanzung von Andrew York im Jahr 1882 zurückgehen sollen. Sie wachsen unbewässert — man nennt das dry-farmed, trocken angebaut, weil die Wurzeln allein auf Regen und Bodenwasser angewiesen sind. Solche alten, wasserarmen Reben tragen wenig, aber konzentriert: Der Wein schmeckt nach Brombeere und Backpflaume und trägt oft mehr Alkohol als ein Chardonnay von derselben Straße.
Im wärmeren Osten von Paso Robles, in den flacheren Distrikten Richtung Estrella, dominiert dagegen Cabernet Sauvignon. Hier verschnitt Justin Baldwin ab 1981 Cabernet Sauvignon mit etwas Cabernet Franc und Merlot zu seinem Isosceles, benannt nach dem gleichschenkligen Dreieck der drei Sorten. 1997 gewann ein Jahrgang davon in London eine Auszeichnung für den besten Verschnittrotwein der Welt. Ein Beweis, dass Bordeaux-Reben auf kalifornischem Kalkstein eine eigene Stimme finden.