
Nebel und Wüstenwärme
Klima
Die meisten Gebirgszüge an Kaliforniens Küste laufen parallel zum Meer, von Norden nach Süden, wie eine Mauer gegen den Pazifik. Rund um Santa Barbara drehen sie sich plötzlich quer. Die Santa Ynez Mountains und ihre Nachbarketten gehören zu den sogenannten Transverse Ranges, den Quergebirgen — eine der wenigen Gebirgsgruppen im ganzen Land, die von Ost nach West verlaufen statt umgekehrt.
Diese Drehung öffnet ein Tor, das es sonst an der Westküste kaum gibt. Kalter Nebel und feuchte Meeresluft strömen ungebremst landeinwärts, statt an einer Nord-Süd-Kette abzuprallen. Im Santa Maria Valley und im Santa Ynez Valley zieht sich diese Kühle weit ins Landesinnere. Die Folge ist eine der längsten Vegetationsperioden im gesamten Weinbau. Trauben reifen langsam, und Zucker und Säure bleiben lange im Gleichgewicht.
Weiter nördlich, um Paso Robles, fehlt diese Öffnung fast völlig — bis auf eine Lücke: den Templeton Gap. Durch ihn strömt nachmittags Meerwind vom nahen Pazifik ein und kühlt die westlichen Hänge, doch wenige Kilometer weiter östlich, jenseits der Lücke, wird das Klima fast kontinental. Sommertage klettern locker über dreißig Grad, und in klaren Nächten kann das Thermometer deutlich fallen. Zwischen Tag und Nacht liegen dort oft zwanzig Grad. Das ist enorm.
Bei Monterey wirkt derselbe Trick über eine Bucht statt über ein Gebirge. Nachmittags saugt die Hitze des Salinas-Tals kühle Luft von der Monterey Bay heran, ein beständiger, oft kräftiger Wind. Er kühlt die Santa Lucia Highlands auf ihren Bänken über dem Talboden spürbar herunter. Wer dort im Weinberg steht, zieht sich am Nachmittag eine Jacke an, selbst wenn es mittags noch nach Sommer aussah.
So liegen wenige Autostunden voneinander eine der kühlsten Pinot-Noir-Lagen Kaliforniens und eine der heißesten Zinfandel-Ecken des Bundesstaats. Beide gehören zur selben Region. Genau das macht die Central Coast so schwer in einem Satz zu beschreiben. Genau deshalb wachsen hier so viele verschiedene Sorten gut.