
Bostwick & Frank
Region & Geschichte
Im Frühling 1829 grub der episkopale Pfarrer William Bostwick ein paar Rebstöcke in seinen Pfarrgarten am Südufer des Keuka Lake. Sein Schwiegervater aus Massachusetts hatte ihm Catawba und Isabella geschickt, zwei amerikanische Sorten, robust und fremd im Geschmack. Bostwick verschenkte Ableger an seine Gemeinde in Hammondsport. Aus ein paar Stecklingen wurde binnen dreißig Jahren eine ganze Landschaft.
1860 eröffnete am selben Ort die Pleasant Valley Wine Company, die erste amtlich zugelassene Kellerei der gesamten Vereinigten Staaten. Ihr Schaumwein aus Catawba-Trauben holte 1867 bei der Weltausstellung in Paris eine ehrenvolle Erwähnung. Sechs Jahre später gewann derselbe Betrieb, inzwischen in Great Western umbenannt, in Wien eine Goldmedaille. Amerika hatte plötzlich einen Sekt, der in Europa mithalten konnte.
Europäische Reben blieben trotzdem fern. Die amerikanischen Winter brachten Fröste, die jede Vitis vinifera binnen weniger Jahre umbrachten, und ein wurzelfressendes Insekt namens Reblaus tat den Rest. Fast siebzig Jahre lang bauten die Winzer rund um die Seen deshalb nur robuste amerikanische Sorten an. Dazu kamen die Kreuzungen, die ab den 1880er-Jahren an der Versuchsstation in Geneva gezüchtet wurden — Trauben, die Frost und Pilz besser vertrugen, aber selten großen Wein ergaben.
Dass es trotzdem ging, bewies erst ein Einwanderer aus der Ukraine. Konstantin Frank kaufte 1958 ein Stück Land am Westufer des Keuka Lake, keine zehn Kilometer von Hammondsport, und pflanzte dort Riesling und andere europäische Reben. Fachleute hielten ihn für verrückt. 1962 erschien sein erster Jahrgang, ein botrytisbedingt honigsüßer Riesling nach Art einer Trockenbeerenauslese, und die Zweifel verstummten. Frank wurde als Vater der Vinifera im Osten der USA bekannt, bis er 1985 starb; seine Familie führt das Weingut bis heute in vierter Generation.
Anerkannt wurde die Region erst 1982, als die Finger Lakes AVA zur zwanzigsten Herkunftsbezeichnung der USA und zur zweiten New Yorks wurde. Cayuga Lake folgte 1988 als eigene Unterregion, Seneca Lake erst 2003. Heute zählt das Gebiet rund hundertfünfzig Weingüter.