Getreide in der Region Englischer Whisky

Gerste statt Mais

Getreide

In den meisten englischen Kesseln landet reine Gerste, gemälzt und nichts sonst. Single Malt ist der große Trend der jungen englischen Szene, Getreidewhisky aus Mais oder Roggen bleibt die Ausnahme. Das unterscheidet England vom großen Nachbarn USA, wo Bourbon aus Mais und Rye aus Roggen entsteht: Hier dominiert die Braugerste, wie sie seit Jahrhunderten auf den Feldern Ostenglands wächst.

Besonders eng ist die Verbindung zu Norfolk. Dort wurde in den 1960er-Jahren am Plant Breeding Institute in Cambridge die Sorte Maris Otter gezüchtet, eine Kreuzung aus den älteren Sorten Proctor und Pioneer. Norfolks mildes, meernahes Klima und die leichten, gut durchlässigen Böden passten ihr sofort. Schon die erste kommerzielle Ernte 1965 wuchs bevorzugt hier.

In den frühen Neunzigern wäre die Sorte fast verschwunden, weil moderne Hochertragsgersten mehr Kornmasse pro Hektar versprachen. Erst als sich Landwirte und Mälzer zusammenschlossen und die Namensrechte sicherten, kehrte Maris Otter zurück. Seit 2002 halten H. Banham aus Norfolk und Robin Appel aus Wiltshire die Rechte, ein Teil des Malzes wird bis heute klassisch auf der Tenne gekeimt statt in der Trommel.

Für Brennereien wie St George's in Roudham ist das lokale Getreide mehr als Werbung. Die Brennerei bezieht ihre Gerste aus der unmittelbaren Umgebung, ebenso das Wasser aus dem Grundwasserleiter direkt unter dem Gebäude. Cotswolds Distillery geht noch weiter und druckt den Namen des Bauernhofs, von dem die Gerste stammt, auf jede Flasche.

Beim Gesetz hat England es einfacher als Schottland: Einen eigenen englischen Whisky-Act gibt es nicht, es gilt die allgemeine britische Whiskydefinition. Drei Jahre im Holzfass, mindestens vierzig Prozent Alkohol, gebrannt aus Getreide, mehr verlangt der Gesetzgeber nicht. Den Rest entscheidet die Brennerei selbst, von der Gerstensorte bis zum Fass.

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