
Kalte Extreme
Wasser & Klima
Finnland ist das Land der kurzen Sommer und der langen, dunklen Winter. Genau dieser Wechsel prägt, wie Whisky hier reift. In Isokyrö, wo Kyrö seine Fässer lagert, klettert das Thermometer im Sommer auf bis zu 22 Grad und fällt im Winter auf minus 11 Grad. Kaum eine andere Whiskyregion Europas erlebt solche Ausschläge innerhalb eines einzigen Jahres.
Für ein Fass bedeutet das Klimaschwanken viel. Im Sommer drückt sich der Whisky tief ins warme Holz, im Winter zieht er sich wieder zurück. Mit jedem Ein- und Ausatmen nimmt er Farbe und Aroma aus der Eiche auf. Schwankt die Temperatur zu stark, reift ein Fass ungleichmäßig. Deshalb hat Kyrö seine Lagerhäuser aus Holz und Beton mit einer Technik ausgestattet, die in der Whiskywelt noch selten ist. Eine Steuerung hält Temperatur und Luftfeuchtigkeit über das ganze Jahr konstant.
Auch das Getreide selbst trägt das kalte Klima in sich. Roggen, der im Norden unter kürzeren, kühleren Sommern wächst, bildet nach Angaben der Brennerei kleinere Körner als sein Verwandter aus wärmeren Lagen. Darin konzentriert sich sein Geschmack. Wer finnischen Roggenwhisky trinkt, schmeckt also das Fass – und ein Klima, das dem Korn wenig Zeit zum Wachsen lässt.
Dazu kommt, was ein Land mit Tausenden Seen mitbringt: Wasser ist in Finnland nie weit entfernt. Wie viel davon direkt in die Fässer bei Isokyrö oder Lahti fließt, verraten die Brennereien nicht im Detail. Doch dass Klima und Landschaft hier enger zusammenhängen als in milderen Regionen, zeigt schon der Blick aus dem Lagerhausfenster.