
Granit statt Moor
Malz & Torf
Torf, das über Jahrtausende gewachsene Moor, aus dem Islay seinen rauchigen Ruf zieht, ist in der Bretagne selten. Die Halbinsel besteht überwiegend aus hartem Granit und Schiefer, ihre Böden sind dünn und trocken. Ausgedehnte Moore wie im schottischen Hochland fehlen fast vollständig.
Entsprechend brennt der Großteil der bretonischen Whiskys ungeräuchert. Armorik von Warenghem, Eddu von der Distillerie des Menhirs und die Grundlinie von Glann ar Mor kommen ohne Rauchnote aus. Das Malz wird nicht über Torffeuer, sondern über Warmluft gedarrt, also getrocknet, um die Keimung zu stoppen.
Die Ausnahme heißt Kornog, die geräucherte Linie von Glann ar Mor aus Pleubian. Mit rund 30 bis 35 ppm Phenolgehalt im Malz, einem Messwert für die Rauchintensität, liegt sie hoch. Das entspricht etwa dem Niveau eines kräftig getorften Islay-Whiskys. Das erste Fass kam im November 2009 in den Handel. Das war gut ein Jahr nach dem ungeräucherten Erstling der Brennerei.
Unter der Gerste selbst liegt trotzdem eine Geschichte im Boden, nur eben keine aus Torf. Wo Ackerkrume, verwitterter Granit und anstehendes Gestein aufeinandertreffen, entscheidet sich, wie viel Wasser der Boden hält. Genauso entscheidet sich dort, wie mineralarm das Grundwasser bleibt, das später beim Maischen landet.
Für Reisende, die Rauch erwarten, weil sie Scotch aus Islay kennen, ist das eine kleine Überraschung. Bretonischer Whisky schmeckt überwiegend weich und unverraucht, geprägt eher vom Getreide und vom feuchten Klima als vom Feuer der Darre. Nur wer gezielt nach Kornog greift, findet das gewohnte Raucharoma wieder.
Lehmiger Mutterboden, in dem die bretonische Braugerste wurzelt.
Die Wurzel: Dünn und nährstoffarm, deshalb wächst die Gerste hier langsamer und kompakter als im fetten Ackerland Ostschottlands.