
Schneller Engelsanteil
Fass & Reifung
Was im Fass verdunstet, nennt man in Schottland den Anteil der Engel. Dort liegt er bei rund zwei Prozent im Jahr. In Nordindien ist davon nichts zu spüren, im positiven wie im negativen Sinn: Bei der Piccadily Distillery in Indri verdunsten Berichten zufolge acht bis über zwölf Prozent des Fassinhalts pro Jahr, je nachdem, wo genau ein Fass im Lagerhaus steht.
Diese Geschwindigkeit hat einen Preis. Lagerhäuser müssen enger geplant werden, weil sich ein Fass in wenigen Jahren spürbar leert. Manche Fässer werden deshalb schon nach vier bis sechs Jahren abgefüllt, wo ein schottischer Whisky gerade erst reif zu werden beginnt. Die Brennereien müssen deshalb früher entscheiden, ob ein Whisky reif genug für die Flasche ist. Dafür zieht der junge Spirit auch schneller Farbe, Gerbstoff und Aroma aus dem Holz, was Rampur, Indri und Godawan offen als Vorteil verkaufen.
Bei den Fässern selbst geht jede Brennerei einen eigenen Weg. Rampur füllt seinen Double Cask zuerst in amerikanische Bourbon-Fässer und anschließend in europäische Sherry-Fässer um. Abgefüllt wird ungefärbt und ohne Kältefiltration. Indri kombiniert für seinen Trini gleich drei Holzarten zugleich: erstbefüllte Ex-Bourbon-Fässer, gebrauchte französische Weinfässer und Fässer, die vorher Pedro-Ximénez-Sherry trugen.
Godawan geht noch einen Schritt weiter und behandelt seine Fässer vor der Befüllung mit indischen Pflanzen, mit Rasna und mit Jatamansi. Dieses Verfahren wendet laut der Brennerei sonst niemand an. Für die limitierte Abfüllung Godawan 173 kamen sogar jahrzehntealte Asha-Likörfässer zum Einsatz, exakt 173 Flaschen wurden daraus.