
Süß trifft Wüstenwürze
Verkosten
Wer zum ersten Mal einen Whisky aus Nordindien probiert, erwartet oft Rauch und findet stattdessen Süße. Das Klima drückt in wenigen Jahren heraus, wofür ein schottischer Whisky ein Jahrzehnt braucht. Diese Süße kommt nicht von außen, sie entsteht im Fass selbst, während Holz und Hitze zusammenarbeiten. Das Ergebnis ist viel Karamell, getrocknete Frucht und eine würzige Schärfe, die von der sechszeiligen Gerste kommt.
Rampur Double Cask zeigt das exemplarisch. Nach der Reifung in Bourbon- und dann Sherry-Fässern kommen Honig, reife Aprikose und ein Hauch Nussschale zusammen. Die junge Fassreife überdeckt dabei nie die Gerste darunter. Bei Indri Trini sorgt die Mischung aus drei Fassarten für ein breiteres Bild: grüne Apfelfrische aus dem Bourbon-Fass trifft auf Rosinen aus dem Sherry-Fass und eine leicht weinige Note aus dem französischen Holz.
Godawan 01, mit Finish in Pedro-Ximénez-Fässern, geht in eine dunklere Richtung. Getrocknete Dattel und Lakritz treffen auf die leicht harzige Würze der Botanicals, mit denen die Fässer vorbehandelt wurden. Drei Brennereien, drei völlig verschiedene Profile, verbunden nur durch die Hitze, die ihnen allen beim Reifen geholfen hat.
Verkostet wird hier wie überall: ein Fingerbreit Whisky im Nosing-Glas, dazu stilles Wasser in Zimmertemperatur, tropfenweise zugegeben. Wegen der intensiveren Fassaromen lohnt sich bei diesen Whiskys besonders viel Geduld. Lass das Glas eine Weile stehen, bevor du den ersten Schluck nimmst, sonst verdeckt der Alkohol die feineren Zwischentöne. Ein kleiner Tropfen Wasser zusätzlich öffnet bei diesen kräftigen Whiskys oft noch mehr Aroma, als man erwarten würde.