
Sanft statt rauchig
Verkosten
Der erste Eindruck beim Verkosten ist meist die Sanftheit, nicht der Rauch. Dreifache Destillation und der Verzicht auf Torf machen die Whiskeys aus Dublin und Leinster runder und leichter zugänglich als viele ihrer schottischen Verwandten.
Bei den Single Pot Still Whiskeys kommt dazu eine würzige, leicht ölige Note von der ungemälzten Gerste: Pfeffer, grüner Apfel, manchmal ein Hauch Leinöl im Abgang. Das unterscheidet sie deutlich von reinen Single Malts.
Als Geschmacksbeispiele eignen sich drei sehr unterschiedliche Abfüllungen. Der Teeling Single Pot Still bringt Fruchtnote und Gewürz mit. Der mildere Kilbeggan zeigt Honig- und Vanillenoten aus dem Bourbonfass. Tullamore D.E.W. ist als Blend aus Pot Still, Malt und Grain der zugänglichste von den dreien.
Am besten verkostet man aus einem tulpenförmigen Nosing-Glas, das die Aromen bündelt, bei Zimmertemperatur und mit einem Tropfen stillem Wasser, der die Alkoholschärfe zurücknimmt und feinere Töne freilegt. Wer gleich schluckt statt zu riechen, verpasst die Hälfte.
Zwischen zwei Schlucken hilft eine Pause: Die Nase gewöhnt sich schnell, und wer zu rasch weiterprobiert, schmeckt am Ende nur noch Alkohol statt Aroma.
Die Farbe zeigt oft schon einen Hinweis auf das Fass: Ein blasses Gold deutet meist auf reine Bourbonfässer hin. Ein dunkleres Bernstein weist dagegen auf einen Anteil Sherryfass hin. Wer mehrere Whiskeys aus der Region nebeneinander verkostet, schmeckt den Unterschied schnell. Pot Still, Malt und Blend wirken trotz derselben Herkunft ganz unterschiedlich.