
Rumänien trifft Deutschland
Brennen
Zwei kupferne Brennblasen stehen im Herzen von M&H, und keine davon kam aus Schottland. Die Läuterblase mit 9.000 Litern stammt aus Rumänien, gebraucht gekauft und generalüberholt. Die kleinere Spirit Still mit 3.500 Litern lieferte die deutsche Firma CARL. Beide Blasen bestehen aus reinem Kupfer, das im Dampf Schwefelverbindungen bindet und den Brand dadurch weicher und sauberer macht, als es eine Blase aus einem anderen Metall könnte. Auf die Frage, warum nicht Forsyths, die traditionelle schottische Kesselschmiede, antwortete die Brennerei einmal trocken: Dort hätte man zehn Jahre auf Lieferung warten müssen.
Gebrannt wird zweifach, wie in Schottland üblich, nicht in der Kolonnenanlage, die viele amerikanische Whiskeys prägt. Der Mittellauf, das Herzstück des zweiten Brands, beginnt bei achtzig Prozent Alkohol und endet bei siebzig. Alles davor und danach wird abgetrennt und später erneut gebrannt. Am Ende läuft ein süßer, grasiger Rohbrand mit rund fünfundsiebzig Prozent Alkohol aus der Blase, mittelkräftig im Körper und noch weit vom fertigen Whisky entfernt.
Rund 230.000 Liter reinen Alkohol kann M&H im Jahr produzieren, für israelische Verhältnisse viel, gemessen an großen schottischen Brennereien eher wenig. In Katzrin auf den Golanhöhen brennt David Zibell seit 2014 in deutlich kleinerem Rahmen, mit nur zwei eigenen Kesseln für seine Golan Heights Distillery. Beide Betriebe mussten ihre Anlagen selbst zusammenstellen. Für Whiskybrennerei gab es in Israel schlicht keine Tradition und keine Zulieferer. Für ein Land ohne jede Brennkultur ist das ein bemerkenswertes Tempo, mit dem beide Häuser binnen weniger Jahre vom ersten Sud zu festen Größen der israelischen Spirituosenszene wurden.