
Gerste, Mais, Regeln
Getreide
Unter einem Dach brennt Nikka in Miyagikyo zwei völlig verschiedene Whiskys. Für den Malt Whisky steht gemälzte Gerste im Mittelpunkt, wie in jeder Malt-Brennerei. Für den zweiten Typ, den Grain Whisky, kommen Mais und andere ungemälzte Getreide dazu, verarbeitet in eigenen Coffey Stills.
Diese Kombination ist in Japan selten. Die meisten Brennereien haben entweder Pot Stills für Malt Whisky oder Säulen für Grain Whisky, Miyagikyo besitzt seit den 1960er Jahren beides unter einem Dach. Masataka Taketsuru wollte damit Malt- und Grainwhisky später im eigenen Haus zu Blends zusammenführen können, statt fremdes Getreidedestillat zukaufen zu müssen.
In Koriyama arbeitet Sasanokawa dagegen nur mit Gerstenmalz, dafür in zwei Varianten. Für die milde Linie kommt ungeräuchertes Malz in die Maische, für die geräucherte Linie Yamazakura Blend Peated wird ein Teil mit Torfrauch gemälzt und später mit den unrauchigen Fässern verschnitten. So entstehen aus derselben Gerste zwei ganz unterschiedliche Whiskys, einer rein und einer mit Raucharoma.
Wie viel Getreide aus Japan selbst stammen muss, regelt seit 2021 der Branchenverband JSLMA genauer als zuvor. Wer sein Produkt „Japanese Whisky" nennen will, muss gemälztes Getreide verwenden, nur mit japanischem Wasser maischen und im Land selbst maischen, gären und brennen lassen. Woher die Gerste ursprünglich wächst, schreibt die Regel nicht vor, viele Brennereien kaufen sie weiterhin aus Europa zu.
Für Miyagikyo bedeutet das zweigleisige Fahren am Ende vor allem eins: Aus einer Brennerei kommen sowohl der blumige Malt Whisky als auch der mildere Grain Whisky, aus denen Nikka seine bekannten Blends mischt. Kein Weg führt an Sendai vorbei, wenn beide Bausteine aus demselben Haus stammen sollen.