
Wasser statt Alkohol
Fass & Reifung
Bei rund 78 Prozent Alkohol wandert der junge Roggenbrand aus Calgary ins Fass. Meist ist es neues, innen ausgebranntes Eichenholz. Manchmal sind es gebrauchte Bourbon-Fässer, die schon mehrere Füllungen hinter sich haben.
Was dann passiert, kehrt eine Regel um, die in fast jeder anderen Whiskyregion gilt. In feuchter Luft, wie in Schottland oder Irland, verdunstet Alkohol schneller als Wasser. Der Whisky verliert dort über die Jahre an Stärke. Das kennt man aus Schottland gut.
Auf der trockenen Prärie rund um Calgary läuft es umgekehrt. Hier entweicht vor allem Wasser aus dem Fass, kaum Alkohol. Der Whisky kann dadurch an Stärke gewinnen, statt sie zu verlieren, während er reift. Das ist selten, aber in Alberta fast die Regel.
Bei Alberta Distillers steigen manche Fässer so von 78 auf rund 84 Prozent Alkohol, ganz ohne Zutun des Brennmeisters. Der stärkere Brand dringt dabei auch tiefer ins Holz ein. Er zieht mehr Aroma aus der Eiche, als ein schwächerer Whisky es könnte. Jedes Jahr im Fass verstärkt diesen Effekt.
Dieses Wechselspiel aus Chinook, Kälte und trockener Luft macht jedes Lagerhaus in Calgary zu einem kleinen Labor der Gegensätze. Innen ist es kühl, außen wechseln die Temperaturen im Winter binnen Stunden. Kein Wunder, dass viele Fässer aus Alberta am Ende schon von sich aus Fassstärke erreichen, ganz ohne Zugabe von Wasser. Das ist eine Seltenheit im Whisky weltweit.