
Land unter Meeresspiegel
Wasser & Klima
Ein großer Teil der Niederlande liegt unter dem Meeresspiegel. Was heute Acker, Weide oder eben Gerstenfeld ist, war oft einmal Meeresgrund oder Sumpf, trockengelegt und mit Deichen umschlossen – ein Polder. Windmühlen pumpten das Wasser jahrhundertelang aus diesen Poldern in Kanäle, die es weiter zur Küste leiteten.
Auch Baarle-Nassau liegt in diesem von Wasser geformten Land, wenn auch weiter im Landesinneren und höher als die Poldergebiete im Westen. Das Klima aber teilt sich die ganze Küste: mild im Winter, selten heiß im Sommer, fast immer feucht, weil der Wind meistens von der Nordsee kommt.
Für die Fassreifung macht dieses Klima einen spürbaren Unterschied. In Schottland verdunstet im Schnitt rund zwei Prozent des Fassinhalts pro Jahr, der sogenannte Engelsanteil. In den Niederlanden liegt dieser Anteil bei vier bis sechs Prozent im Jahr, mehr als doppelt so viel. Wärmere Sommer lassen das Holz stärker arbeiten, der Whisky nimmt schneller Fassaromen auf und altert entsprechend zügiger.
Das ist einer der Gründe, warum ein achtjähriger Millstone oft schon so viel Fasscharakter zeigt wie mancher deutlich ältere Scotch. Der Nachteil: Jedes Jahr im Lager kostet mehr Volumen. Was an Tiefe gewonnen wird, wird an Menge bezahlt.
Wasser bleibt in dieser Landschaft nie weit weg – als Regen, als Kanal, als Grundwasser unter dem Sandboden, aus dem die Brennerei schöpft. Wer durch Brabant fährt, sieht selten einen Horizont ohne einen Wassergraben darin.