
Feuchte Lagerhäuser
Fass & Reifung
Wer bei Springbank durch die Lagerhäuser geht, läuft über nackten Lehmboden. Er lässt die Feuchtigkeit von draußen fast ungebremst herein. Sechs der acht Gebäude sind klassische Dunnage-Lager mit nur drei Fasslagen übereinander. Zwei sind modernere Rackläger mit deutlich mehr Ebenen. Zusammen fassen sie rund 13.500 Fässer, alle in Campbeltown selbst.
Die Fässer stammen überwiegend aus zwei Familien: gebrauchte Bourbon-Fässer aus Amerika und Sherry-Fässer aus Spanien. Die Bourbon-Fässer bringen milde Vanille- und Kokosnoten. Die Sherry-Fässer sorgen für Trockenfrucht und dunklere Farbe. Dazu kommen immer wieder kleinere Mengen Port-, Madeira- oder Rum-Fässer für besondere Abfüllungen.
Kilkerran von Glengyle reift ebenfalls in dieser Kombination aus Bourbon- und Sherry-Holz. Das hat der jungen Brennerei schnell einen runden, leicht öligen Stil verschafft. Glen Scotia dagegen zeigt an seiner 18 Jahre alten Abfüllung, wie ein Nachreifen wirkt. Nach Jahren in ehemaligen Bourbon-Fässern verbringt der Whisky ein weiteres Jahr in Oloroso-Sherry-Fässern.
Das feuchte Klima der Halbinsel sorgt dafür, dass beim Reifen mehr Alkohol als Wasser verdunstet, der Angel's Share. Der Whisky verliert also an Stärke, gewinnt aber an Tiefe. Diesen Tausch gehen die Brennereien in Campbeltown seit Generationen ein. Wie viel genau verloren geht, hängt von Lagerhaustyp und Jahr ab. In den feuchten Dunnage-Lagern ist der Verlust an Alkoholstärke oft größer als an Volumen.
Am Ende zeigt sich: Das Holz allein macht noch keinen Campbeltown-Whisky. Erst zusammen mit dem salzigen, feuchten Lagerklima der Stadt entsteht der Charakter, den man in keiner anderen Region findet. Deshalb schmecken selbst baugleiche Fässer aus Kintyre oft anders als dieselbe Fassart aus dem trockeneren Osten Schottlands.