
Salz statt Rauch
Verkosten
Campbeltown gilt als die Region mit dem breitesten Geschmacksspektrum, obwohl nur drei Brennereien dort arbeiten. Ein Grund: Springbank allein stellt mit Springbank, Hazelburn und Longrow drei ganz unterschiedliche Stile her. Sie reichen vom leichten bis zum stark torfigen Whisky. In Campbeltown gilt offiziell keine feste Torfvorgabe. Jede Brennerei wählt ihren eigenen Weg.
Der typische Ton, den viele Kenner mit der Stadt verbinden, ist salzig und leicht ölig. Dazu kommen Noten von Leder, Karamell und ein Hauch Rauch im Hintergrund, auch ohne viel Torf im Spiel. Das Lagerklima prägt diesen Ton mindestens so stark wie das Malz. Manche schmecken darin auch einen Hauch Jod, wie am offenen Meer.
Der Springbank 10 Jahre zeigt diesen Stil klassisch: etwas Rauch, Salz, Vanille vom Bourbon-Fass, dazu eine leicht ölige Textur. Der Longrow dagegen geht deutlich in Richtung Torf und erinnert eher an Islay. Er bleibt aber durch seine zweifache Destillation kräftiger und weniger fein als viele Islay-Whiskys.
Kilkerran 12 Jahre von Glengyle zeigt die dritte Seite: heller, mit mehr Frucht und einer feinen, salzig-öligen Note im Abgang. Es hat weniger Torf als Longrow, aber mehr Charakter als ein einfacher, unbeschwerter Malt. Trotzdem bleibt die maritime Grundnote klar erkennbar.
Beim Verkosten hilft ein einfaches Nosing-Glas mit schmaler Öffnung, das die Aromen bündelt. Dazu passt ein Schluck stilles Wasser bei Raumtemperatur, um Alkoholschärfe zu dämpfen, ohne den Geschmack zu verwässern. Wer die drei Whiskys der Stadt nacheinander probiert, riecht in wenigen Minuten die ganze Bandbreite von Campbeltown. Am besten schmeckt man nüchtern und nacheinander, nicht im Vergleich zu Whiskys aus anderen Regionen. Sonst verzerrt der Kontrast den Eindruck.