
Rauch, Salz, Jod
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Ardbeg, Lagavulin und Bowmore stehen für drei verschiedene Gesichter derselben Insel. Wer sie nebeneinander probiert, merkt schnell, wie viel Spielraum im Wort „torfig“ steckt. Ardbeg 10 Jahre schmeckt linear und scharf. Zitrusschale, Ruß und salzige Küstenluft stehen dabei im Vordergrund. Dazu kommen Spuren von Kaffee und Jod, aber kaum Süße, die den Rauch abfedert. Genau das macht Ardbeg zum Extrem der Insel, wo Rauch fast über alles andere im Glas herrscht.
Lagavulin 16 Jahre geht in eine andere Richtung. Der Rauch bleibt, wird aber begleitet von Trockenfrüchten, Vanille und gedämpftem Eichenholz, ein Ton, den manche eher mit geräuchertem Tee vergleichen als mit Lagerfeuer. Bowmore 12 Jahre wiederum zeigt sich milder und ausgewogener, mit Zitrus, Honig, Salz und Rauch nah beieinander. Im Hintergrund liegt je nach Fass Schokolade oder tropische Frucht.
Nicht jeder Islay-Malt raucht. Bunnahabhain und Bruichladdich brennen ihre Standardabfüllungen fast ohne Torf, meist unter 3 ppm. Sie schmecken entsprechend heller, salzig und fruchtig statt rauchig. Für alle, die die Insel ohne den vollen Rauch kennenlernen wollen, sind das gute Startpunkte. Wer beide Seiten der Insel verstehen will, probiert am besten einmal quer durch, von Bunnahabhain bis Ardbeg.
Am besten probiert man zuerst pur, aus einem schmalen Nosing-Glas, das den Duft nach oben bündelt. Erst danach lohnt sich ein Tropfen stilles Wasser. Er senkt den Alkohol im Glas leicht und öffnet oft Aromen, die vorher hinter dem Rauch versteckt waren. Das gilt besonders für die kräftig getorften Abfüllungen wie Ardbeg oder Lagavulin. Bowmore dagegen bleibt auch pur zugänglich, ganz ohne diesen Trick.