
Schlafen am Meer
Fass & Reifung
Amerikanische Weißeiche prägt die Reifung der meisten Islay-Malts. Es sind gebrauchte Bourbon-Fässer, die zuvor schon einmal in Kentucky gefüllt waren. Sie geben weniger eigene Aromen ab als neue Fässer und lassen dem Torfrauch mehr Raum. Wo ein kräftigerer, süßerer Ton gewünscht ist, kommen auch Sherry-Fässer aus europäischer Eiche zum Einsatz. Das dient oft einer zweiten Reifephase am Ende, einem sogenannten Finish.
Bowmore lagert einen Teil seiner Fässer in ihrem Warehouse Nummer eins, direkt am Loch Indaal. Das Lager liegt tiefer als der Meeresspiegel, seine Außenwand grenzt an den Loch. Feuchte, salzige Luft zieht durch die offenen Dunnage-Lager, jene traditionellen, niedrigen Steinlager. Dort liegen die Fässer nur wenige Reihen hoch, statt gestapelt in hohen Regalen wie auf dem Festland üblich.
Dieses Klima kostet Zeit, aber auch Alkohol. Jedes Jahr verdunstet ein Teil des Fassinhalts durch das Holz, der Angel's Share. Auf Islay liegt dieser Schwund bei Bowmore bei nur rund 1 bis 1,5 Prozent im Jahr. Anderswo in Schottland sind dagegen rund 2 Prozent üblich, deutlich mehr als bei Bowmore, ein Vorteil der kühlen, gleichmäßigen Inseltemperatur das ganze Jahr über.
Je länger ein Fass am Meer liegt, desto mehr Salz nimmt der Whisky angeblich auf. Das sagen viele Brenner auf der Insel, auch wenn es sich kaum sauber beweisen lässt. Sicher ist nur, dass ein zwölf Jahre alter Islay-Malt selten so schmeckt wie ein Fass vom Festland. Ein gleich altes Fass im schottischen Hochland reift eben anders.