
Kornkammer und Koloss
Getreide
East Lothian und die Scottish Borders gelten seit Jahrhunderten als eine der fruchtbarsten Kornkammern Schottlands. Mildes Klima, tiefe Böden, viel Sonne für die Gerstenäcker. Genau diese Gerste liefert seit jeher den Rohstoff für zwei sehr unterschiedliche Whiskysorten der Region, die oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt entstehen.
Die eine ist Single Malt aus der Pot Still, wie ihn Glenkinchie und Auchentoshan brennen. Die andere ist Grain Whisky aus der Column Still. Genau darin liegt die eigentliche Stärke der Lowlands: keine andere Region Schottlands stellt davon annähernd so viel her.
Cameronbridge in Fife wurde 1824 gegründet. Ab 1830 war die Brennerei eine der ersten, die das Column-Still-Verfahren von Robert Stein nutzten. Heute laufen dort drei Column Stills mit einer Kapazität von rund 136 Millionen Litern im Jahr, mehr als jede Malt-Brennerei der Region je erreichen könnte.
North British in Edinburgh ist die zweitgrößte Grain-Brennerei Schottlands. Strathclyde in Glasgow wurde 1927 von den Gin-Produzenten Seager Evans gegründet. Girvan an der Ayrshire-Küste baute William Grant & Sons 1963, dort entsteht bis heute der Single Grain Blackbarrel.
Dieses Grain-Gewicht ist der Grund, warum die Lowlands mehr Whisky für Blends liefern als jede andere Region. Ohne die Column Stills von Cameronbridge, North British, Strathclyde und Girvan gäbe es die meisten bekannten Blended Whiskys in ihrer heutigen Form nicht.
Die Scotch Whisky Regulations 2009 unterscheiden deshalb sauber zwischen zwei Sorten. Single Malt muss aus gemälzter Gerste und aus der Pot Still stammen, Single Grain erlaubt auch andere Getreidesorten und die Column Still. In den Lowlands liegen beide Welten oft nur eine Autostunde auseinander.