
Granit, Flüsse, Kälte
Wasser & Klima
Wasser prägt jede Brennerei anders. Der Grund ist das unterschiedliche Klima zwischen Norden und Süden Schwedens. In Bjärtrå, wo High Coast steht, fließt die Ångermanälven direkt am Gebäude vorbei. Der breite Fluss zieht durch die Wälder des Ådalen ins Meer. Unter dem ganzen Land liegt größtenteils Granit und Gneis, uraltes Gestein des Baltischen Schildes. Regen- und Schmelzwasser sickern hindurch, ohne viel Kalk aufzunehmen. Das Wasser kommt dadurch weich und mineralarm aus dem Boden, anders als in den kalkreichen Regionen Schottlands oder Irlands.
Beim Klima liegt die Besonderheit weniger in der Feuchtigkeit als im Temperaturunterschied. High Coast liegt auf 63 Grad nördlicher Breite. Die Winter dort fallen deutlich unter null Grad, die Sommer werden durchaus warm. Nach eigenen Angaben der Brennerei sorgt genau dieser Wechsel für kräftigeres Atmen der Fässer. Das Holz zieht sich im Winter zusammen und dehnt sich im Sommer wieder aus. Mit jedem Zyklus nimmt der Whisky schneller Farbe und Aroma aus dem Holz auf, als es im gleichmäßigeren Klima Schottlands geschieht.
An der Westküste, wo Smögen liegt, dominiert dagegen das Meer. Das Lagerhaus steht nahe der Küste Bohusläns, in salziger Seeluft. Die Luft zieht durch die Fassdauben und gibt dem Whisky eine leicht maritime Note, ähnlich wie auf schottischen Küsteninseln. Auf Hven wiederum reift der Whisky auf einer Insel mitten im Öresund. Dort streicht Wind von beiden Seiten der Meerenge über die Fässer.
Auch bei Gävle, wo Mackmyra seine Gravity Distillery betreibt, ist das Klima kontinental geprägt. Die Winter sind kalt und oft schneereich, die Sommer kurz, aber intensiv. Dieses Muster zieht sich durch weite Teile Mittelschwedens. Im Lagerhaus lässt es die Reifung über die Jahre ähnlich schwanken wie am Ådalen, nur mit anderen Werten.