
Malzig und alpin
Verkosten
Zwei, drei Schlucke reichen, um den Unterschied zu vielen schottischen Whiskys zu schmecken. Rauch fehlt fast immer, Malz dominiert. Das liegt an der Gerste aus den Bergen, meist ungetorft vergoren. Sie gibt einen süßen, getreidigen Grundton, der an frisches Brot oder warmes Karamell erinnert, bevor das Fass seine eigene Note dazugibt.
Bei Säntis Malt kommt durch die Bierfässer eine deutliche Malzigkeit hinzu. Manchmal zeigt sich im Abgang ein Hauch Hopfenbitterkeit. Die Edition „Dreifaltigkeit" wurde 2010 von Jim Murray zum European Whisky of the Year gekürt. Die Abfüllung „Alpstein" gewann 2013 die erste Goldmedaille aus dem deutschsprachigen Raum beim IWSC.
Wer stattdessen die Whisky Castle probiert, findet einen geradlinigeren Fasscharakter. Sieben bis acht Jahre Reifung bringen Vanille und etwas Holzwürze, ohne die malzige Süße der Appenzeller Fässer. Beide Stile zeigen, wie unterschiedlich Schweizer Whisky trotz ähnlicher Startbedingungen ausfallen kann.
Beim Probieren lohnt sich ein Tropfen stilles Wasser im Glas. Er öffnet die Nase, ohne den Alkohol zu betäuben. So werden die feinen Malznoten leichter greifbar. Wer zum ersten Mal Schweizer Whisky verkostet, sollte ohne Eis beginnen. Die kühle Alpenherkunft braucht keine zusätzliche Kälte im Glas.
Wer mehrere Schweizer Whiskys nacheinander probiert, erkennt schnell die Handschrift der Brennerei hinter dem Fass. Appenzeller Bierfässer, Walliser Weinfässer oder klassische Bourbonfässer prägen jede Abfüllung anders. Genau diese Vielfalt macht die noch junge Szene zu einem spannenden Feld für Entdeckungen.