
Gerste ohne Acker
Getreide
Getreide für den Whisky wächst in Yilan nicht. Die Ebene rund um Yuanshan bringt Reis und Gemüse hervor, aber keine Gerste. Kavalan importiert seine gesamte Braugerste aus Schottland und anderen europäischen Ländern, gemälzt und fertig zum Schroten.
Viele amerikanische Whiskeys mischen Mais oder Roggen in die Maische. Kavalan setzt dagegen ausschließlich auf gemälzte Gerste. Das macht den Kavalan zu einem Single Malt nach schottischem Vorbild, auch wenn kein einziges Korn davon auf Taiwan gewachsen ist.
Die Gerste wird geschrotet und im Maischbottich mit weichem Wasser vom Xueshan-Gebirge vermischt. Dabei löst sich die Stärke und wandelt sich in Zucker. Nach der Gärung mit Hefe über mehrere Tage entsteht eine Waschmaische mit rund acht Prozent Alkohol. Sie ist die Grundlage für die Destillation.
Kavalan setzte von Anfang an auf Single Malt, nicht auf einen Blend aus mehreren Kornsorten. Das war eine bewusste Entscheidung von Lee Tien-Tsai. Nur so ließ sich die neue Brennerei international auf Augenhöhe mit schottischen Traditionshäusern positionieren, obwohl Yilan selbst eine Reisregion ist und mit Gerstenanbau nichts zu tun hat.
Welche Gerstensorte und welcher Röstgrad ins Fass kommen, entscheidet Kavalan schon bei der Bestellung beim Mälzer in Europa. Die meisten Abfüllungen bleiben ungetorft, die Peaty-Cask-Serie dagegen wird leicht bis mittel getorft. So bestimmt die Brennerei in Yilan den Charakter des Whiskys, lange bevor das Korn taiwanischen Boden überhaupt erreicht.