
Schneewasser & Schwüle
Wasser & Klima
Wer nach der Wasserquelle von Kavalan fragt, bekommt eine Antwort, die nach Bergen klingt. Das Wasser stammt aus dem Xueshan-Massiv, mit 3886 Metern Taiwans zweithöchstem Gipfel. Es sickert als Schmelz- und Regenwasser durch Fels und Geröll. Erst nach einem langen unterirdischen Weg erreicht es die Lanyang-Ebene.
Auf dem Weg durch Kies und Sand verliert das Wasser seine Härte. Am Ende zieht Kavalan es über einen fünfundzwanzig Meter tiefen Brunnen auf dem eigenen Gelände. Es ist weich, fast neutral im pH-Wert, und enthält mit siebzehn bis zwanzig Milligramm Kalzium pro Liter etwas mehr Mineralien als typisches schottisches Brauwasser. Hart wirkt es trotzdem nie.
Yilan liegt im subtropischen Nordosten Taiwans. Die Sommer sind heiß und feucht, und der Regen setzt übers Jahr kaum aus. Temperaturen steigen im Sommer regelmäßig über dreißig Grad. Diese Feuchtigkeit unterscheidet die Reifung hier fundamental von der kühlen, trockeneren Luft schottischer Lagerhäuser.
Wärme und Feuchte zusammen sorgen dafür, dass der Whisky viel intensiver mit dem Holz des Fasses reagiert, als es in kühleren Breiten möglich wäre. Wie stark das wirkt, zeigt sich im Lagerhaus, wo die eigentliche Reifung stattfindet. Schon das weiche Wasser liefert aber die Grundlage. Ohne harte Mineralien, die Aromen verdecken könnten, tritt der Charakter von Malz und Fass klarer hervor.
Der eigene Brunnen macht Kavalan unabhängig von schwankenden Niederschlägen an der Oberfläche. Gleich, ob eine Regenzeit besonders nass oder trocken ausfällt, das Grundwasser aus der Tiefe bleibt über das ganze Jahr fast gleich temperiert und gleich weich. Diese Konstanz zählt bei einer Brennerei, die täglich maischt, mehr als jede einzelne Regenwolke über Yilan.