
Tropenfrucht im Glas
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Wer zum ersten Mal an einem Kavalan riecht, denkt eher an einen Obststand als an eine Brennerei. Ananas, Mango und Papaya stehen im Vordergrund, unterlegt von Vanille und Honig. Diese Frucht kommt nicht von einer besonderen Gerste, sondern von der schnellen, heißen Reifung im Fass in Yuanshan.
Der Kavalan Classic Single Malt zeigt dieses Profil in seiner zugänglichsten Form: reif, süß, ohne Ecken und Kanten. Er reift in einer Mischung aus Bourbon- und Sherryfässern. Der Kavalan Concertmaster, im Portweinfass nachgereift, legt Beeren- und Rosinennoten obenauf. Er schmeckt runder, fast wie ein süßer Nachtisch im Glas.
Am anderen Ende steht der Kavalan Solist Vinho Barrique, ungefiltert und in Fassstärke abgefüllt. Er wurde 2015 bei den World Whiskies Awards zum besten Single Malt der Welt gewählt. Aus dem STR-Weinfass kommen dunkle Frucht, Gewürze und eine Schärfe. Sie macht deutlich, warum Fassstärke bei Kavalan kein Nebeneffekt ist, sondern Absicht.
Wegen der oft hohen Alkoholstärke lohnt sich ein Glas mit wenigen Tropfen stillem Wasser. Es öffnet die Aromen, ohne sie zu ertränken. Am besten probiert man bei Zimmertemperatur, nicht gekühlt, denn die feuchtwarme Luft der Lanyang-Ebene steckt gewissermaßen noch im Glas. Zwischen den Schlucken lohnt sich Zeit: Nach der Hitze im Lagerhaus braucht der Whisky im Glas noch ein paar Minuten, um sich ganz zu zeigen.
Ein zweiter Schluck lohnt sich fast immer, weil die tropischen Fruchtnoten erst nach kurzer Zeit an der Luft ihre volle Tiefe zeigen. Wer mehrere Abfüllungen nebeneinander probiert, beginnt am besten beim milden Classic und steigert sich zu den kräftigeren Solist-Abfüllungen aus der Fassstärke-Reihe.