Notizen & Punktesysteme

Urteil festhalten

Notizen & Punktesysteme

Ein Eindruck, den du nicht aufschreibst, ist nach wenigen Tagen fast weg. Notizen und ein einfaches Punktesystem machen aus einzelnen Verkostungen eine Sammlung, die du wirklich vergleichen kannst.

Warum Erinnerung allein nicht reicht

Gerüche verblassen im Gedächtnis schneller als du denkst. Was sich beim Verkosten noch klar wie „reife Birne mit einem Hauch Rauch“ anfühlt, wird nach einer Woche oft nur noch vage. Übrig bleibt dann höchstens ein „war irgendwie gut“ oder „war nicht so meins“. Das liegt nicht an einer schlechten Nase. Geruchseindrücke verblassen einfach besonders schnell, wenn du sie nicht in Worte fasst und festhältst.

Eine kurze Notiz direkt beim Verkosten reicht schon aus, um diesen Verlust zu stoppen. Du musst dabei keine druckreifen Sätze schreiben, ein paar Stichworte zu Nase, Gaumen und Abgang genügen völlig.

Was in eine gute Notiz gehört

Eine brauchbare Notiz folgt meist derselben Struktur wie die Verkostung selbst. Zuerst die Farbe in ein, zwei Worten, dann die wichtigsten Eindrücke der Nase. Danach folgt, was der Gaumen zeigt, und zuletzt Länge und Charakter des Abgangs. Ergänz dazu, ob du Wasser dazugegeben hast und wie sich der Eindruck dadurch verändert hat. Das erklärt später, warum sich zwei Notizen zum selben Whisky unterscheiden können.

Halt außerdem einen kurzen Gesamteindruck fest: Würdest du diesen Whisky wieder kaufen, wem würdest du ihn empfehlen, woran erinnert er dich. Diese letzte, persönliche Zeile ist oft die, die dir später am meisten hilft.

Punktesysteme: hilfreich, aber nur ein Werkzeug

Viele Verkoster ergänzen ihre Notizen um eine Punktzahl, um Whiskys später schneller sortieren zu können. Verbreitet sind hundertstufige Skalen, wie sie etwa aus der Weinkritik stammen und von manchen bekannten Whisky-Büchern übernommen wurden. Ebenso verbreitet sind einfache Systeme mit fünf Sternen oder Schulnoten. Keines dieser Systeme ist objektiv richtig. Sie sind alle nur ein Versuch, einen komplexen Eindruck in eine einzige, vergleichbare Zahl zu pressen.

Wichtiger als die Skala ist, dass du sie konsequent gleich benutzt. Eine 85 von dir sollte in einem Jahr ungefähr dasselbe bedeuten wie heute, sonst wird der Vergleich zwischen alten und neuen Notizen wertlos.

Ein eigenes System, das du wirklich benutzt

Benutz das Punktesystem, das du wirklich pflegst, ob kleines Notizheft, Notiz-App auf dem Handy oder einfache Tabelle. Wichtig ist nur, dass jede Verkostung dieselben Kategorien durchläuft. So kannst du Whiskys über Monate und Jahre hinweg wirklich vergleichen, statt dich auf eine verblasste Erinnerung zu verlassen.

Mit der Zeit wird aus dieser Sammlung mehr als eine Liste von Zahlen. Sie zeigt dir, welche Aromen dir wirklich gefallen und welche Fässer und Regionen bei dir immer wieder gut abschneiden. Das macht dich mit der Zeit zu einem deutlich sichereren Verkoster, ganz ohne Fachausbildung.

Kurze Notizen reichen, wenn du sie wirklich schreibst

Drei Zeilen genügen oft. Farbe, ein Wort für die Nase, ein Wort für den Gaumen, ein Wort für den Abgang, fertig. Mehr braucht es nicht, um später wieder in den Moment der Verkostung zurückzufinden. Wichtig ist nur die Gewohnheit, nicht die Länge.

Fotografier dazu ruhig das Etikett mit dem Handy. So sparst du dir das Abtippen von Name, Alter und Fassstärke, und deine Notiz bleibt trotzdem vollständig. Verbinde beide Dinge, Foto und Notiz, am selben Abend, sonst geraten sie später leicht durcheinander.

Blätter ab und zu auch in alten Notizen zurück, statt immer nur neue zu schreiben. Das zeigt dir, wie sich dein Geschmack über die Zeit verändert hat, und macht aus einer einfachen Liste eine kleine persönliche Geschichte.

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