
Bond & Prohibition
Region & Geschichte
Wer heute durch Bardstown fährt, sieht mehr Fasssymbole als Ampeln. Die Kleinstadt in Nelson County wurde 1780 gegründet. Seit Jahrzehnten gilt sie als Bourbon-Hauptstadt der Welt. Dass ausgerechnet hier so viel Whiskey entstand, hat mit dem Boden zu tun. In der Bluegrass-Region wuchs Mais im Überfluss, und überschüssiges Getreide ließ sich als Whiskey leichter lagern und verkaufen als lose Körner.
Die junge amerikanische Regierung besteuerte Alkohol schon früh. Viele Brenner in den Hügeln von Kentucky mieden die Steuer und brannten heimlich. Im Bürgerkrieg erhob der Bund 1862 eine Abgabe auf jede Gallone Whiskey, um den Krieg zu finanzieren. Seither gehören Steuerprüfer und Schmuggler zur Geschichte der Region.
Im späten neunzehnten Jahrhundert verkauften windige Händler gefärbten Industriealkohol als Whiskey. Kentuckys Brenner zogen deshalb nach Washington, angeführt von Colonel Edmund Haynes Taylor aus Frankfort. 1897 erreichten sie den Bottled-in-Bond Act. Das Gesetz schrieb einen Jahrgang und eine Brennerei je Flasche vor, dazu mindestens vier Jahre Reifung in einem staatlich versiegelten Lagerhaus und mindestens 50 Prozent Alkohol. Es gilt als die erste Verbraucherschutzregel des Landes.
Ab Januar 1920 stoppte die Prohibition fast jede Brennerei zwischen Bardstown, Louisville, Frankfort und Lawrenceburg. Nur wenige durften mit ärztlicher Erlaubnis weiterarbeiten. Nach der Aufhebung 1933 kehrte das Geschäft zurück, langsam zunächst, dann mit wachsendem Tourismus. Heute reihen sich entlang der vier Städte Dutzende Brennereien, und Bardstown trägt seinen alten Titel offiziell im eigenen Namen. Der Titel steht dort sogar auf den Ortsschildern.