Verkosten in der Region Pazifischer Nordwesten

Gerste, nicht Rauch

Verkosten

Schottischer Rauch oder amerikanische Maisfülle: Das erwarten viele beim ersten Schluck. Ein Whiskey aus Washington oder Oregon schmeckt meistens nach etwas ganz anderem.

Westlands unrauchiges Kernsortiment aus Seattle wird aus mehreren verschiedenen Malzen gebrannt. Es schmeckt nach Malz, Honig und leichtem Karamell, mit einer trockenen, fast brotigen Note. Diese Note stammt von der Vielfalt der verwendeten Gerstensorten.

Die getorfte Solum-Abfüllung derselben Brennerei bringt dagegen Rauch ins Glas. Es ist ein erdiger, moosiger, an Salbei erinnernder Rauch aus dem Washingtoner Moor. Er unterscheidet sich vom medizinischen, jodigen Ton, den viele Islay-Fans erwarten.

Copperworks American Single Malt wird zweifach im Kupfer gebrannt und in verkohlten, neuen amerikanischen Eichenfässern gereift. Er zeigt sich süßer und runder als die Westland-Whiskeys. Im Glas stehen Vanille, geröstetes Getreide und ein Hauch frischer Eiche.

Westward Whiskey aus Portland vergärt seine Maische mit Bierhefe statt gewöhnlicher Brennhefe. Gebrannt wird in einer trägen, reflexarmen Blase. Das Ergebnis wirkt kräftiger und würziger, fast wie ein Bindeglied zwischen Craft-Bier und klassischem Single Malt.

Am besten probiert man alle drei still und ohne Eis. Ein Glas stillen Wassers gehört daneben, dazu ein Nosingglas mit enger Öffnung, das die feinen Aromen bündelt. Erst danach gibt man einen einzelnen Tropfen Wasser zu, um die Nase zu öffnen und versteckte Noten freizulegen. Wer alle drei nacheinander probiert, schmeckt den Unterschied zwischen Seattle und Portland direkt im Glas. Die eine Stadt setzt auf Malzvielfalt und gelegentlichen Moorrauch, die andere auf Bierhefe und einen schwereren Rohbrand.

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