
Gerste, ganz nah
Getreide
In den vier walisischen Brennereien landet fast ausschließlich Gerste im Maischbottich, kein Roggen, kein Weizen, kein Mais wie in Kentucky oder Ontario. Das liegt auch am Gesetz. Seit Juli 2023 darf sich nur „Welsh Whisky" nennen, wer zu hundert Prozent gemälzte walisische Gerste und walisisches Wasser verwendet. Der ganze Weg vom Maischen bis zur Abfüllung muss zudem im Land selbst stattfinden.
Gemälzt wird die Gerste, damit die Stärke im Korn zu vergärbarem Zucker wird. Sie keimt kurz an, wird dann getrocknet und im Maischbottich mit heißem Wasser übergossen. Übrig bleibt eine süße Flüssigkeit, die Würze, die anschließend mit Hefe zu einer Art Bier vergoren wird, dem Wash.
Aber Falls im Norden bezieht seine Gerste von walisischen Bauernhöfen in der Nähe der Brennerei. Noch enger fasst es In the Welsh Wind an der Küste von Ceredigion. Dort kommt das Korn aus einem Umkreis von etwa 16 Kilometern, manches Feld liegt buchstäblich vor der Tür.
Bei Coles in Llanddarog beginnt die Kette noch früher. Die Brennerei will als erste in Wales wirklich alles selbst herstellen, vom Korn bis zur fertigen Flasche. Für ihren Single Malt setzt sie auf reine, hundertprozentig gemälzte Gerste.
Anders als in Schottland oder Irland gibt es in Wales bislang keine große Grain-Brennerei. Eine solche Anlage würde im Column Still günstigeren Whisky aus Weizen oder Mais herstellen. Alle vier walisischen Brennereien setzen stattdessen auf den teureren, langsameren Weg über gemälzte Gerste und nennen das Ergebnis deshalb zu Recht Single Malt. Das mag anders schmecken, macht die Herkunft aus dem eigenen Feld aber deutlich leichter nachzuweisen.