
Emigranten & Monopol
Region & Geschichte
In Nordhausen verlangte die Stadt bereits 1507 eine Steuer auf Kornbranntwein - das ist der älteste schriftliche Beleg für gebrannten Roggen in deutschen Landen. Über Jahrhunderte blieb das Getreide die Grundlage: 1789 schrieb eine Reinheitsregel vor, mindestens zwei Drittel Roggen und höchstens ein Drittel Gerste zu verwenden. Wer sich daran hielt, durfte seinen Brand Korn nennen.
Ab 1919 übernahm der deutsche Staat die Kontrolle: Das Branntweinmonopol zwang Brennereien, ihren Alkohol zu festen Preisen an die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein abzuliefern. Fast hundert Jahre lang bestimmte diese Behörde, wer brennen durfte und was ein Liter wert war. Für kleine Kornbrennereien bedeutete das Sicherheit, aber auch enge Grenzen.
Mitten in diese Ordnung platzte 1921 eine Familie aus Sankt Petersburg. Leo Gorbatschow hatte dort vor der Oktoberrevolution eine gutgehende Spirituosenhandlung geführt, bis die neue Sowjetmacht die Fabrik verstaatlichte. In Berlin-Schöneberg baute er die Produktion nach dem alten Rezept neu auf und nannte sein Unternehmen schlicht nach sich selbst.
Eine zweite Emigrantenfamilie brachte ein ähnliches Rezept mit: Es reifte ab 1929 in Deutschland, bis die Firma König im westfälischen Steinhagen es 1959 als Marke Puschkin eintragen ließ. 1990 übernahm die Berentzen-Gruppe den Betrieb. Gorbatschow dagegen gehörte seit 1960 zur Söhnlein Rheingold AG und damit zum Sekthaus Henkell. Ab den siebziger Jahren führte die Marke den deutschen Wodka-Markt an.
Das Monopol endete Ende 2017. Ein neues Alkoholsteuergesetz löste es ab, und die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein wurde 2018 endgültig aufgelöst. Zu dieser Zeit war in Berlin längst ein dritter Name gewachsen: Three Sixty, gegründet 2004. Die Firma tat sich 2008 mit der Traditionsbrennerei Schwarze und Schlichte in Bad Oldesloe zusammen, die die Marke 2011 ganz übernahm.