
Roggen & Sandboden
Rohstoff
Deutscher Wodka beginnt nicht in der Fabrik, sondern auf sandigem Acker. Traditionell steht Roggen im Zentrum, das robusteste Getreide für karge, nährstoffarme Böden. Wo Weizen kaum Wurzeln schlägt, wächst Roggen zuverlässig, genau solche Böden prägen weite Landstriche im Norden und Osten Deutschlands.
Rund um Berlin liegt genau so ein Landstrich: eiszeitlicher Sand, von Gletschern der letzten Kaltzeit hinterlassen, arm an Ton und Humus. Bauern nannten die Gegend früher spöttisch die Streusandbüchse, weil kaum etwas anderes als Roggen und Kartoffeln darauf gedieh. Für die Brennereien der Hauptstadt lag der Rohstoff damit praktisch vor der Tür.
Im achtzehnten Jahrhundert geriet das Roggenkorn unter Druck. Alkohol aus Kartoffeln war billiger, und mancherorts verdrängte er das Getreide fast vollständig. Eine Reinheitsregel von 1789 hielt dagegen und schrieb für echten Korn mindestens zwei Drittel Roggen vor, der Rest durfte Gerste oder Weizen sein. So blieb der Geschmack des Getreides erhalten, obwohl die Nachfrage nach billigem Sprit wuchs.
Im neunzehnten Jahrhundert entstanden große Kornbrennereien vor allem im Ruhrgebiet, wo Kohle und Wasserkraft die Industrie antrieben. Die Rezeptur blieb einfach: vergorene Getreidemaische, mehrfach gebrannt, bis ein neutraler Grundstoff übrig blieb. Genau dieser Grundstoff wurde später zur Basis für Wodka, Roggen lieferte die Stärke, aus der die Hefe den Alkohol holte.
Heutige Hersteller greifen oft zu Weizen, weil er günstiger verfügbar ist und einen milderen Grundton liefert als Roggen. Für den alten Kornbrand aber gilt weiterhin die Regel von 1789, und viele Kleinbrennereien im Osten Deutschlands halten daran fest. Der Unterschied schmeckt man: Roggen bringt eine leicht würzige Note mit, die reiner Weizenalkohol nicht kennt.
Lockerer, humusarmer Sand aus eiszeitlichen Ablagerungen.
Die Wurzel: Roggen bildet hier ein dichtes Feinwurzelwerk, das die wenigen Nährstoffe sofort aufnimmt.