
Adel und Monopol
Region & Geschichte
Wer in Tallinns Altstadt über das Kopfsteinpflaster geht, tritt auf Kalkstein, der die ganze Nordküste Estlands trägt. Unter diesem Stein beginnt auch die estnische Wodkageschichte, lange bevor es den Namen Estland überhaupt gab. Sie beginnt nicht in einer Fabrik, sondern auf einem Gutshof.
Ab dem 15. und 16. Jahrhundert brannten deutschbaltische Gutsherren Schnaps aus dem Roggen ihrer Ländereien, erst für den eigenen Hof, dann für den Verkauf. Im 18. Jahrhundert wurde daraus ein einträgliches Geschäft: Um 1799 zählte man in Estland 731 Brennereien, fast jeder größere Gutshof betrieb eine eigene.
In Rakvere, dem Hauptort von Lääne-Viru, ging 1938 eine neu ausgebaute Brennerei in Betrieb, deren Spiritus mit 98 % vol als stärkster und reinster Alkohol in das Guinness-Buch der Rekorde einging. Im nahen Gutshof Moe erinnert heute ein Brennerei-Museum an diese Zeit der Herrenhäuser.
In Tallinn selbst wurde am 25. September 1898 der Grundstein für das staatliche Wodkalager Kroonu Viinaladu Nr. 1 gelegt, aus dem später die Brennerei Liviko hervorging. Als Finnland zwischen 1919 und 1932 die Prohibition durchsetzte und Estland zum Schmuggelland wurde, setzte sich der Name „Viru Valge“ durch, um echten estnischen Wodka von Schwarzgebranntem zu unterscheiden.
1940 besetzte die Sowjetunion das Land, Brennereien wurden verstaatlicht, Wodka wurde Staatssache. 1962 stellte Liviko unter diesem alten Namen die Marke Viru Valge als eigenständiges Produkt vor, bis heute die älteste Wodkamarke Estlands.
Nach der Wiederunabhängigkeit 1991 blieb Liviko in Tallinn und wuchs zum größten Spirituosenhersteller des Baltikums, der seine Flaschen heute in rund 60 Länder verkauft.