
Roggen auf Kalkstein
Rohstoff
Auf den Feldern von Lääne-Viru wächst meist Roggen, kaum Weizen. Das ist keine Geschmacksfrage der Bauern, sondern eine der Erde. Der Boden über dem Kalkstein Nordestlands ist dünn, steinig und trocknet schnell aus. Roggen ist so ziemlich das Einzige, das hier zuverlässig wächst.
Unter der dünnen Humusschicht liegt eine sogenannte Rendzina. Dieser Bodentyp entsteht direkt auf verwitterndem Kalkstein und ist in Estland weit verbreitet. Er ist kalkreich und gut durchlässig, aber arm an organischer Substanz. Die eiszeitliche Vergangenheit hat den Boden erst vor rund zehntausend Jahren freigelegt.
Roggen kommt mit dieser Kargheit zurecht, wo Weizen längst schlappmachen würde. Seine Wurzeln reichen tief in den steinigen Geschiebemergel. Die Gletscher der letzten Eiszeit ließen ihn über dem Kalkstein zurück. Dort holen sich die Wurzeln Feuchtigkeit, die an der Oberfläche längst verdunstet ist.
Das Getreide bringt weniger Zucker mit als Kartoffel oder Mais. Dafür liefert es einen erdigen, leicht würzigen Grundton. Im fertigen Wodka kommt er als feines Korn-Aroma wieder, deutlich anders als bei den weicheren, süßeren Kartoffelwodkas weiter südlich im Baltikum.
Für die Brennereien in und um Tallinn ist das bis heute Programm. Liviko wirbt für Viru Valge ausdrücklich mit Getreide von estnischen Feldern, nicht mit importierter Rohware.
So bleibt der Rohstoff am Ende auch eine Frage der Herkunft. Ein gutes Kornjahr oder ein schlechtes, das schmeckt man im Glas, auch wenn kein Etikett das ausdrücklich verspricht.
Dünner, dunkler Boden direkt über dem Kalkstein, kalkreich, aber arm an Nährstoffen.
Die Wurzel: Roggenwurzeln durchstoßen diese Schicht in wenigen Wochen und suchen tiefer nach Wasser.