
Amiens trifft Charente
Wodka & Essen
Eine Sakuska- oder Zakąski-Kultur, wie sie Polen oder Russland zu ihrem Wodka pflegen, kennt weder die Picardie noch die Gegend um Cognac. Wodka gehört in Frankreich nicht zum Essen, sondern allenfalls in den Aperitif oder in einen Cocktail vor oder nach dem Essen. Das gilt für beide Landschaften dieser Region gleichermaßen.
Die Picardie selbst hat trotzdem eine eigene, herzhafte Küche. Ein Beispiel ist die Flamiche, ein Kuchen aus Blätter- oder Mürbeteig mit Lauch. In der Ponthieu-Gegend wird sie stattdessen mit Kartoffeln und Speck gefüllt und heißt dann „Bisteu“. Ein zweites Beispiel ist die Ficelle picarde, eine gefüllte Palatschinke mit Schinken und einer cremigen Champignonfüllung, überbacken mit Käse. Sie entstand 1950 im Hôtel du Commerce in Amiens.
In der Charente prägt dagegen die Küste die Küche. Ein Beispiel sind Miesmuscheln, die in Sahne gegart und mit einem Schuss Cognac abgeschmeckt werden. Ein Wodka aus dieser Region passt zu solchen Gerichten am ehesten als kühler, zurückhaltender Auftakt. Als Begleiter zum Essen selbst taugt er kaum, dafür ist er im Geschmack zu neutral.
Wer die Region über den Teller verstehen will, findet keine Wodka-Tafel wie im Osten. Stattdessen stehen zwei getrennte Küchen nebeneinander, die zufällig denselben Wodka hervorgebracht haben: deftige Küche im Norden, Meeresküche im Westen. Verbunden werden beide durch eine Marke, die die Landschaften nutzt, ohne in einer von ihnen wirklich verwurzelt zu sein.