
Barkultur statt Bauerntisch
Trinkkultur
Eine Trinksitte für Wodka gibt es in Frankreich eigentlich nicht. Wein, Pastis und, in der Charente, Cognac als Digestif prägen den Alltag. Wodka bleibt dagegen ein Importgedanke, der über die USA zurück nach Europa kam. Wer in Amiens oder Cognac nach einem Wodka-Trinkspruch fragt, bekommt eher ein Schulterzucken als eine Antwort.
Die Trinkkultur, die Grey Goose und Cîroc geprägt haben, entstand vor allem in amerikanischen Bars und Clubs der späten Neunziger- und Zweitausenderjahre. Getrunken wird eiskalt aus dem Gefrierfach, pur im kleinen Glas oder als Basis für Cocktails. Das Bild dahinter ist Luxus, nicht Geselligkeit am Bauerntisch. Cîroc verstärkte dieses Bild seit 2007 zusätzlich über eine Marketingpartnerschaft mit dem Musiker Sean „Diddy“ Combs, laut Diageo bis heute ein Teil der Markengeschichte.
Serviert wird beides am liebsten stark gekühlt. Kälte glättet den milden, eher neutralen Geschmack beider Wodkas und verdeckt Fehler leichter als Zimmertemperatur. Ein Trinkspruch, ein festes Ritual oder eine feste Menge pro Runde, wie es slawische Trinkkulturen kennen, hat sich um diese beiden französischen Wodkas nie entwickelt.
In französischen Bars taucht der Wodka aus dieser Region eher gemischt auf als pur. Er landet in einem Moscow Mule, einem Cosmopolitan oder einfach mit Tonic, seltener als einzelner kalter Schluck wie in Polen oder Russland üblich. Ein fester Trinkspruch dazu hat sich in dieser Cocktailkultur nie durchgesetzt, dafür ist die Auswahl an Mischgetränken zu groß.