
Cepelinai & Šaltibarščiai
Wodka & Essen
Cepelinai kommen dampfend und schwer auf den Tisch. Es sind große, zeppelinförmige Klöße aus geriebenen und gekochten Kartoffeln, gefüllt mit Hackfleisch, Quark oder Pilzen. Obenauf liegen saure Sahne und knusprige Speckwürfel, litauisch spirgučiai, und viele nennen das Gericht das Nationalgericht Litauens.
Das Gericht ist deftig, das Gegenteil von leicht. Ein eiskaltes Glas Wodka dazu schneidet durch das Fett der Sahne und des Specks. Es macht den nächsten Bissen wieder möglich, ohne den Geschmack der Klöße zu überdecken, denn der Wodka bleibt hier Beilage, nicht Hauptsache.
Šaltibarščiai ist das andere Extrem. Die Suppe ist kalt und leuchtend pink, gekocht aus Roter Bete, Kefir, Gurke und Dill, serviert mit heißen Pellkartoffeln daneben. Sie schmeckt sauer-frisch und wird vor allem im Sommer gegessen, wenn schwere Klöße bei Sommerhitze zu viel wären.
Zu dieser Suppe passt Wodka eher zurückhaltend, ein kleines Glas statt eines großen. Die Suppe lebt von ihrer eigenen Frische und nicht von einem schweren Gegenspieler auf dem Teller.
In Restaurants wie der Bernelių užeiga in Kaunas stehen beide Gerichte oft auf derselben Karte. Sie wirken nebeneinander, als kämen sie aus zwei völlig verschiedenen Jahreszeiten desselben Landes.
Krupnikas dagegen gehört ans Ende der Mahlzeit, nicht daneben. Ein kleines Glas des honigsüßen Likörs passt nach dem Essen, wenn der Tisch schon abgeräumt ist und nur noch geredet wird. Getrunken wird er dann langsam, ohne Eile.