
Toast & Krupnikas
Trinkkultur
Wer in Litauen mit anderen trinkt, hebt das Glas selten allein. Vor dem ersten Schluck sagt jemand „Į sveikatą", zur Gesundheit, oder kürzer „Būk sveikas", bleib gesund. Alle am Tisch heben mit, bevor die Gläser gemeinsam wieder auf dem Tisch landen.
Den ersten Toast spricht traditionell der Gastgeber oder die älteste Person am Tisch. Danach darf jeder weitere reihum folgen. Beim Anstoßen sucht man Blickkontakt und klirrt eher leise als laut, vor allem mit den Nachbarn direkt neben sich.
Viele Litauer betonen gern, ihr Land sei eigentlich ein Bierland mit einer der ältesten Braukulturen Europas. Wodka kam vor allem über die russische und später sowjetische Herrschaft ins Land und in den Alltag der Feste. Verdrängt hat er das Bier dabei nie, das bis heute in Kneipen und auf Festen mengenmäßig vorn liegt.
Getrunken wird der klare Wodka meist eiskalt und pur, in kleinen Gläsern und in einem Zug, nicht in kleinen Schlucken. Dazu reicht man etwas zu essen, oft ein Stück Schwarzbrot oder eingelegtes Gemüse, nie nur den Alkohol allein.
In der kalten Jahreszeit greift man in Litauen eher zu Krupnikas, dem Honiglikör mit Kräutern, als im Sommer. Man trinkt ihn in kleinen Gläsern nach dem Essen oder an Winterabenden, süß und wärmend. Er ist damit ein deutlicher Gegenpol zum scharfen, klaren Wodka.
Auch Trejos Devynerios hat seinen Platz in dieser Ordnung, allerdings einen bescheidenen. Ein kleines Glas dient als Absacker oder gegen einen aufkommenden Schnupfen, ein Rest aus der Zeit, in der Apotheker es noch als Medizin verkauften.