
Birkenkohle & Sand
Filtration
Wodka aus Kaunas läuft meist noch durch einen Filter, bevor er in die Flasche kommt. Im Baltikum ist das traditionell Birkenkohle. Birken wachsen hier auf sandigen und gerodeten Flächen besonders schnell und lieferten Bauern wie Brennereien über Jahrhunderte reichlich, günstiges Holz.
Die Kohle bindet einen Teil der letzten Fuselstoffe und feinen Trübungen, die selbst nach der Rektifikation noch im Spiritus hängen. Das macht den Wodka spürbar runder im Geschmack. Danach folgt oft noch eine Schicht Quarzsand oder ein feines Zellulosefilter, das die letzten Schwebeteilchen zurückhält, damit die Flüssigkeit klar bleibt.
Wie lange der Spiritus durch die Kohle läuft, wie viele Stufen es gibt und wie oft gefiltert wird, verraten die Brennereien selten genau. Das gilt in der ganzen Branche als Betriebsgeheimnis. Werbetexte arbeiten dafür gern mit Zahlen wie besonders vielen Filtrationsstufen oder einem Silberanteil.
Solche Versprechen liest man besser nüchtern. Nach Angaben der Hersteller machen mehr Filterstufen den Wodka weicher, im Einzelfall belegt ist das selten. Ein sauber geführter Rektifikationsprozess entfernt die meisten unerwünschten Stoffe schon vorher, Filtration räumt danach nur noch auf.
Der Kräuterbitter Trejos Devynerios geht den umgekehrten Weg. Seine 27 Kräuter und Gewürze bleiben tagelang im Spiritus, bis Farbe und Aroma vollständig übergegangen sind. Erst danach wird abgeseiht, nicht durch Kohle geklärt, denn hier soll gerade das Kraut im Glas bleiben.
Was am Ende zählt, ist ohnehin das Zusammenspiel aus Roggen, Wasser, Kolonne und erst ganz zuletzt der Birkenkohle. Kein einzelner Schritt macht den Kaunaer Wodka aus, sondern die Reihenfolge aller vier.