
Kessel im Glas
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Ketel One schmeckt trocken und relativ neutral. Im Hintergrund liegt eine leichte Weizen-Süße, der Brand selbst ist kaum wahrnehmbar. Das ist typisch für einen sauberen, kolonnengetriebenen Wodka mit einem Schuss Kupferkessel-Charakter. Wer genauer riecht, findet feine Getreidenoten unter der Neutralität.
Die Zitronenvariante Ketel One Citroen setzt darauf eine feine, echte Zitrusnote, ohne dass der Wodka dadurch süß oder künstlich wirkt. Die Grundschärfe des Weizendestillats bleibt trotzdem deutlich spürbar. Die Zitrusnote bleibt dabei dezent, nie aufdringlich im Abgang.
Ein Genever aus einem der alten Schiedamer Häuser wie Herman Jansen schmeckt dagegen ganz anders. Er ist kräftig nach Roggen und Malz. Eine Rundung aus der Fassreifung kommt dazu, die einem Wodka komplett fehlt. Diese Würze macht ihn zu einem völlig anderen Geschmackserlebnis als der saubere Wodka aus derselben Stadt.
Zum Probieren reicht bei Wodka ein schmales Glas. Die Temperatur sollte knapp über Kühlschrankkühle liegen. Tiefgefroren betäubt die Zunge und verschluckt genau die feinen Unterschiede, um die es eigentlich geht. Ein kurzes Riechen vor dem ersten Schluck zeigt oft schon viel. Es zeigt, ob ein Wodka überhaupt Kornaroma mitbringt oder komplett neutral bleibt. So lässt sich schon vor dem ersten Schluck viel über einen Wodka lernen.
Zwischen einem sauberen Weizenwodka und einem malzigen Schiedamer Genever liegt der ganze Unterschied zwischen Neutralität und Charakter, beide sind in derselben Stadt gebrannt, aus verwandtem Korn. Diese Nähe macht Schiedam zu einem seltenen Ort für den Vergleich.