
Kopstootje und Kälte
Trinkkultur
Bloß nicht gleich zugreifen, das ist der erste Satz, den Gäste in einem Schiedamer Proeflokaal oft hören, wenn ihr Glas Genever ankommt. Das tulpenförmige Glas wird bis zum Rand gefüllt, wer es anhebt, verschüttet etwas. So beginnt für viele der erste Kontakt mit dem Getränk der Stadt.
Der erste Schluck kommt deshalb ohne Hände. Man beugt sich über den Tresen und verschränkt die Hände hinter dem Rücken. Dann nippt man den obersten Rand vom Glas ab, erst danach darf man es in die Hand nehmen.
Wer zum Genever noch ein kühles Bier bestellt, trinkt ein sogenanntes kopstootje, wörtlich einen kleinen Kopfstoß. Das Bier folgt kurz nach dem Genever und rundet die Schärfe des Getreidebrands ab. Diese Kombination ist in Kneipen im ganzen Land verbreitet, in Schiedam gehört sie aber schon zur Stadtgeschichte.
Dabei ist Genever nicht gleich Genever. Jonge Genever enthält wenig Moutwijn. Er schmeckt leichter und dient eher als Aperitif vor dem Essen. Oude Genever bringt mehr Moutwijn mit, schmeckt kräftiger und malziger und wird eher zum Digestif nach dem Essen getrunken. Zwischen beiden liegt kein Altersunterschied, sondern nur der Anteil des Getreidedestillats. Beide Varianten stammen aus demselben Moutwijn, nur der Anteil unterscheidet sich.
Wodka kennt solche Rituale kaum, er wird meist einfach pur und kalt getrunken, ohne Verbeugung und ohne Bier hinterher. Beide Spirituosen kommen aus demselben Kupferkessel-Erbe, ihre Trinkkultur könnte trotzdem kaum unterschiedlicher sein.