
Fabrik & Fluss
Region & Geschichte
Am Ufer der Warta, mitten in Poznań, roch es 1823 nach frisch gebranntem Spiritus. Hartwig Kantorowicz hatte hier eine Fabrik errichtet, die für die damalige Zeit ungewöhnlich modern war, mit großen Kupferkesseln und einem eigenen Labor für die Reinheit des Alkohols.
Noch im selben Jahr schrieb eine polnische Zeitung einen Wettbewerb um den besten klaren Wodka des Landes aus. Als die Jury Kantorowicz' Spirit probierte, fiel nur ein Wort: „wyborowa“, auf Deutsch etwa „die Auserlesene“. Der Name blieb an der Flasche hängen und wurde zur Marke, die bis heute existiert.
Damals lag Poznań unter preußischer Verwaltung, mit privaten Brennereien und Kaufmannsfamilien, die Marken aufbauen durften. Im russisch regierten Teil Polens weiter östlich drängte der Zarenstaat den privaten Handel dagegen zurück und führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein staatliches Branntweinmonopol ein. Diese Grenze prägte, wessen Namen auf den Etiketten stehen durfte.
Auf dem Land bauten viele Gutsherren eigene Brennereien, gestützt auf das alte Propinationsrecht des Adels, Schnaps zu brennen und an die eigenen Pächter zu verkaufen. Diese kleinen Gutsbrennereien verarbeiteten Roggen und vor allem Kartoffeln aus den umliegenden Feldern und trugen über Jahrzehnte zum Ruf der Region als Kornkammer des Wodkas bei.
Ab 1873 ging die Wyborowa erstmals über die Grenzen Polens hinaus in den Export, 1927 erhielt sie als erster Wodka überhaupt eine internationale Marke. Der Name der Stadt blieb an dem Getränk kleben, während ringsum die Felder weiter Kartoffeln trugen, die heute noch die Brennereien der Umgebung versorgen.