Region & Geschichte in der Region Masowien

Fabrik & Monopol

Region & Geschichte

Żyrardów entstand nicht um eine Brennerei, sondern um eine Textilfabrik. Der Franzose Philippe de Girard baute hier ab 1829 Leinenwebereien auf, die Stadt trägt bis heute seinen Namen. Backsteinhallen, Arbeitersiedlungen und ein enges Straßenraster prägen den Ort bis heute. Die Wódka kam erst später dazu, ab 1910 in einer eigenen Brennerei am Stadtrand.

In Warschau lief die Produktion zur gleichen Zeit in viel größerem Maßstab. Zwischen 1895 und 1897 entstand am Prager Ufer der Weichsel die Warschauer Wódkafabrik „Koneser“, ein Backsteinkomplex mit spitzen Türmchen auf rund 50.000 Quadratmetern. In der Zwischenkriegszeit arbeiteten hier mehr als 400 Menschen, und aus den Kesseln kamen Marken wie Wyborowa, Luksusowa und die einfache Żytniówka, alle unter staatlicher Aufsicht.

Diese Aufsicht hatte einen Namen: Państwowy Monopol Spirytusowy, gegründet 1924 unter Finanzminister Władysław Grabski. Der Staat behielt sich Herstellung und Verkauf von Spirytus und klaren Wódkas vor, verteilte Produktionsquoten an die Brennereien und kassierte kräftig mit, zwischen 1924 und 1936 stammte je nach Jahr bis zu ein Drittel des Staatshaushalts aus dem Alkoholgeschäft. Der Zweite Weltkrieg unterbrach den Betrieb, danach wurden die Brennereien verstaatlicht und 1959 im Kombinat Polmos zusammengefasst.

Koneser stellte 2002 die Produktion ein, die Maschinen verstummten nach über hundert Jahren. Statt Abriss kam ein langsamer Umbau: Auf dem Gelände entstand das Centrum Praskie Koneser mit Wohnungen, Galerien und Restaurants, und im ehemaligen Rektifikationsgebäude öffnete das Muzeum Polskiej Wódki, das Museum der polnischen Wódka.

Żyrardów ging einen anderen Weg. 1993 verließen die ersten Flaschen einer neuen Marke die alte Brennerei: Belvedere, benannt nach dem Warschauer Präsidentenpalast. Zwei Jahre später kam sie in die USA und machte polnische Wódka dort erstmals zum Luxusprodukt.

Heute stehen die beiden Orte für zwei Seiten derselben Geschichte. In Żyrardów wird noch gebrannt, in Warschau wird erinnert. Wer beides sieht, versteht, warum Masowien mehr ist als nur eine Adresse auf dem Etikett.

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