
Kartoffel trifft Wodka
Wodka & Essen
Babka ziemniaczana gilt als das bekannteste Gericht Podlachiens. Geriebene rohe Kartoffeln, Ei und Speck werden im Ofen zu einer krossen, goldbraunen Kruste gebacken. Dazu passt ein kalter, klarer Wodka. Er bricht das Fett der Speckwürfel auf, ohne den Kartoffelgeschmack zu übertönen.
Kartacze sind ovale Klöße aus rohen und gekochten Kartoffeln, gefüllt mit Hackfleisch. Kiszka ziemniaczana bringt denselben Kartoffelbrei in einen Schweinedarm gefüllt und gebacken. Beide gehören zur selben Küchentradition. Sie sind deftig genug, dass ein Schluck Wodka zwischendurch die Zunge wieder frei macht für den nächsten Bissen.
Von den Tataren stammt der pierekaczewnik, ein hauchdünn gerollter Blätterteig mit Lamm- oder Rinderfüllung. Er kommt bei Festen in Kruszyniany auf den Tisch. Er zeigt, dass Podlachiens Küche kein rein polnisches Erbe ist. Sie ist eine Grenzküche aus mehreren Traditionen, ebenso wie ihr Wodka aus mehreren Rohstoffen der eigenen Landschaft entsteht.
Zu Festtagen kommen oft alle drei Gerichte gleichzeitig auf den Tisch. Dazu steht eine Flasche Wodka für die ganze Runde, nicht für den Einzelnen. Diese Art zu essen, gemeinsam und ohne Eile, passt zu einer Landschaft, in der ohnehin wenig schnell geht.
Fisch aus der Narew, vor allem Hecht und Karpfen, ergänzt die Kartoffelgerichte an vielen Feiertagen im Jahr. Auch hier bleibt der Wodka Beilage, nicht Mittelpunkt. Er räumt zwischen den fettigen Bissen den Gaumen frei, mehr verlangt niemand von ihm. Auf dem Land ist das bis heute so üblich, vom Frühstück bis zum späten Abendessen.