
Sümpfe & Frost
Wasser & Klima
Zwei Flüsse geben der Landschaft ihren Rhythmus. Die Narew zieht sich in weiten Mäandern durchs Land. Ihr Nebenfluss Biebrza trägt an seinen Ufern eines der größten Niedermoore Europas. Das Wasser sickert hier durch Torf und Sand. Es kommt gefiltert und mineralarm im Grundwasser an, genau das, was die Rektifikation von Getreidegeist verlangt.
Das Klima verschärft die Bedingungen zusätzlich. Podlachien gilt als die kälteste Region Polens, mit langen, harten Wintern und kurzen Sommern. Typisch dafür ist ein kontinentales Übergangsklima zwischen Ostsee und Kontinent. Zwischen 550 und 700 Millimetern Niederschlag im Jahr reichen für die Roggenfelder. Doch die Fröste bestimmen, wann gesät und wann gebrannt wird.
Kalte Winter bedeuten spät beginnende Gärungen. Sie bringen auch Wasser mit, das schon von Natur aus wenig Keimbelastung hat, ein Vorteil für die anschließende Destillation. Die Biebrza-Sümpfe selbst sind seit 1993 Nationalpark. Sie wirken wie ein natürlicher Filter für das Grundwasser der ganzen Region, bevor es in die Brennereien der Umgebung gelangt.
Die Brennereien der Region nutzen genau dieses kühle, mineralarme Wasser. Sie verdünnen damit den hochprozentigen Rohalkohol nach der Rektifikation auf Trinkstärke. Weicheres Wasser bedeutet weniger Kalkschleier in der Flasche und einen klareren Antrunk. Diesen Vorteil liefert die Landschaft der Brennerei quasi kostenlos.
Auch die Waldflüsse rund um Białowieża speisen dasselbe System. Regen und Schmelzwasser sickern durch Moos und Totholz, ehe sie unterirdisch weiterfließen. So bleibt das Grundwasser über weite Strecken kühl und konstant. Das gilt selbst dann, wenn die Sommer kurz und die Winter lang sind.