
Moskwa & Kanal
Wasser & Klima
Moskau liegt an einem eher bescheidenen Fluss. Die Moskwa ist stellenweise so schmal, dass sie ohne fremde Hilfe kaum eine Millionenstadt und ihre Industrie hätte versorgen können. Für Brennereien wie Kristall an der Jausa, einem ihrer Nebenflüsse, war das schon im 19. Jahrhundert ein Problem, wenn der Pegel im Sommer sank. Historische Berichte beschreiben die Moskwa deshalb eher als Werkfluss denn als majestätischen Strom.
Die Lösung kam aus der Ferne: Zwischen 1932 und 1937 bauten Zehntausende Arbeiter den Moskau-Wolga-Kanal, der Wasser aus der Wolga über mehrere Schleusen nach Moskau leitet. Seither speist die Wolga die Trinkwasserversorgung der Stadt und hebt zugleich den Pegel der Moskwa an.
Unter der Stadt liegt zusätzlich ein zweites Wasserreservoir: Kalksteinschichten aus dem Karbon, tief unter Moskau. Aus solchen artesischen Brunnen förderten Brennereien lange Zeit Wasser, das durch die Steinschichten schon vorgefiltert war, bevor es in die Maische kam. Dieses Karbonwasser gilt bis heute als mineralarm und mild im Geschmack. Manche der historischen Brunnenanlagen sind bis heute erhalten, auch wenn sie im Alltag der Millionenstadt kaum noch genutzt werden.
Zum Wasser kommt das Klima: Zentralrussland hat lange, harte Winter mit Frost weit unter null Grad und kurze, warme Sommer. Für die Landwirtschaft bedeutet das eine kurze Wachstumszeit, für die Trinkkultur aber auch, dass Wodka hier von jeher eiskalt serviert wurde, einfach weil im Winter kaum eine andere Temperatur zur Verfügung stand.
Wasser und Klima zusammen erklären, warum Moskau trotz seines kleinen Flusses zur Wodka-Hauptstadt wurde. Die Stadt musste sich ihr Wasser organisieren, über Kanäle und Brunnen, und genau diese Organisation, staatlich geplant und staatlich kontrolliert, passte zur Geschichte des Monopols, das ebenfalls von oben gesteuert wurde.