Region & Geschichte in der Region St. Petersburg & Nordwesten

Hof, Krone, Kontrolle

Region & Geschichte

St. Petersburg gibt es erst seit 1703. Zar Peter der Große ließ die Stadt auf sumpfigen Newa-Inseln bauen, als Fenster nach Europa und Gegenentwurf zum alten Moskau. Neun Jahre später zog der Hof hierher, und mit ihm die Macht, über Wodka und seinen Verkauf zu entscheiden. Schon zwei Jahrhunderte zuvor hatte Iwan der Schreckliche in Moskau die ersten staatlichen Schanken eingerichtet, die Kabaki.

Über die Jahrhunderte verpachtete die Krone das Ausschankrecht an Kaufleute und Adlige, die dafür feste Summen zahlten und den Preis selbst bestimmen durften. 1894 machte Finanzminister Sergei Witte damit Schluss: Von nun an durfte nur noch der Staat Wodka kaufen und verkaufen. Begründet wurde die Reform mit Mäßigung, gedacht war sie auch als Einnahmequelle.

Die Zahlen zeigen, wie gut das funktionierte. 1902 brachte das Monopol 341 Millionen Rubel in die Staatskasse, 1911 waren es 594 Millionen, und bis 1914 kam etwa ein Drittel aller Staatseinnahmen aus dem Wodkaverkauf. Gleichzeitig stieg der Verbrauch pro Kopf von acht auf vierzehn Liter reinen Alkohol im Jahr.

1914, mit Kriegsbeginn, ließ Zar Nikolaus II. den Verkauf fast im ganzen Land aussetzen, um Soldaten und Fabrikarbeiter nüchtern zu halten. Die Maßnahme überlebte den Zaren kaum: Nach der Revolution 1917 hielten die Bolschewiki das Verbot zunächst aufrecht, bevor der Staat es Mitte der Zwanzigerjahre aufgab und den Ausschank wieder selbst übernahm.

Erst 1992, nach dem Ende der Sowjetunion, hob Boris Jelzin das staatliche Herstellungsmonopol auf. Ausgerechnet in St. Petersburg entstanden danach zwei Namen, die bis heute für die Stadt stehen: Die Ladoga-Gruppe brachte 2003 die Marke Tsarskaya heraus, deren Rezeptur der Braumeister nach eigenen Angaben anhand historischer Aufzeichnungen aus der Zeit Peters des Großen rekonstruierte. 1998 gründete der Unternehmer Roustam Tariko Russian Standard und baute seine Brennerei ebenfalls an der Newa.

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